Schreiben als Therapie: Schwalmstädter Heiko Stief ging unter die Kinderbuchautoren

Von Drachen und Rittern

Ahoi: Heiko Stief in seinem Garten auf dem Piratenschiff mit St. Pauli-Fahne, das er für seinen Sohn gebaut hat. Foto: Heist

Schwalmstadt. Er wuchs in Hamburg auf, ist St. Pauli-Fan, fährt Motorrad und liest gerne Thriller im Stil von Stieg Larssons „Millennium-Trilogie“. Jetzt versucht er sich selbst als Autor. Heiko Stief (43) aus Schwalmstadt hat ein Buch für Kinder und Erwachsene veröffentlicht, die sich den kindlichen Blick bewahrt haben. „Wenn Drachen niesen“ lautet der Titel seines Erstlingwerkes. 18 Kurzgeschichten umfasst das Buch des ausgebildeten Werbe- und Industriefotografen, den es 1994 der Liebe wegen von Hamburg in die Schwalm zog. „Ich genieße die Ruhe auf dem Land in der Schwalm. Ich fühle mich hier wohl“, sagt er.

In seinem Buch lässt Heiko Stief Figuren in Schneekugeln, einen Weihnachtsbaum und Schokoladenfiguren eines Adventskalenders lebendig werden. Seine Protagonisten bestehen tollkühne Abenteuer, erstrahlen in festlichem Glanz und erfreuen mit ihren Erlebnissen Kinderherzen. Geschichten wie die vom kleinen Ritter, der auf der Suche nach dem Glück durch die Welt streift, oder die vom niesenden Drachen, die dem Buch ihren Titel verlieh, laden dazu ein, die Welt mit Kinderaugen zu betrachten. Doch sie stimmen auch nachdenklich und verraten sehr Persönliches.

Gewidmet hat Heiko Stief das Buch seinem fünfjährigen Sohn Joshua Ilias. „Er war meine Inspiration“, sagt der sportliche 43-Jährige voller Stolz. Kleine Gegebenheiten, Erlebnisse mit seinem Sohn hätten den Anstoß zum Buch geliefert. Besondere Momente, die für ihn kostbare Zeit mit seinem Sohn hat er darin schriftlich festgehalten.

Entstanden seien die Geschichten von Oktober 2011 bis April 2012, sagt Heiko Stief. Teilweise sei er nachts um drei aufgewacht und habe seine Einfälle prompt niedergeschrieben. Eine weitere Geschichte sei unvollendet und daher nicht mit aufgenommen worden, verrät er. Schreiben sei für ihn eine Art Therapie, ein Ventil. Es helfe ihm beim Verarbeiten fügt er hinzu und erzählt freimütig von persönlichen Tiefschlägen.

Nach seinem Burnout im vergangenen Jahr und einem damit verbundenen Klinikaufenthalt, habe er sich verstärkt dem Schreiben zugewandt. In seinem Buch habe er wohl einige Sachen aus der Zeit verarbeitet, als er „ausgeknockt“ gewesen sei. Vielleicht erklärt sich daraus die Einleitung, die sich auf besonders intime Art von den folgenden Geschichten abhebt. „Es ist mein Herz. Narben, Blut, aber es lächelt“, heißt es da am Ende.

Der Mail-Austausch mit einer Bekannten sei die treibende Kraft gewesen, das Buch herauszubringen, erklärt Heiko Stief. Seitdem es fertiggestellt sei, habe er keine Kindergeschichten mehr geschrieben. Er arbeite jedoch an einem zweiten Buch, das sein Burnout thematisiere. Voraussichtlich werde es im Herbst erscheinen. Der offene Umgang mit dem Thema helfe ihm und auch anderen, ist er überzeugt: „Ich kann jetzt besser nichts tun und bewusster.“

• Heiko Stief: „Wenn Drachen niesen“, Books on Demand, Norderstedt, ISBN: 9783848204205, 7,90 Euro.

Quelle: HNA

Kommentare