Badesalz-Hälfte Gerd Knebel riss bei seinem Auftritt manchem Zeitgenossen die Maske herunter

Drecksäcke am laufenden Band

Südhesse auf minimalistischer Bühne: Gerd Knebel von Badesalz rockte das Dorfgemeinschaftshaus. Foto: Haaß

Röllshausen. Der Rodgauer Comedian Gerd Knebel hat in Röllshausen im komplett besetzten Dorfgemeinschaftshaus viel Applaus bekommen. Eingeladen hatte ihn die Freien Musikinitiative Schrecksbach.

Der einem breiten Publikum vor allem gemeinsam mit Henni Nachtsheim als Badesalz bekannte Knebel überzeugte auch als Einzelkünstler. „Ich kannte Gerd Knebel bislang eigentlich gar nicht, finde ihn aber wirklich lustig“, kommentierte Sonja Hofmann-Schneider aus Frielendorf das Programm während der Pause

„Wörld of Drecksäck“ heißt Knebels aktuelles Soloprogramm, und er machte den Schwälmern in furiosen knapp zwei Stunden klar, wo überall auf dieser Welt die großen und kleinen Drecksäcke lauern. Dabei riss er so manchen vermeintlich harmlosen Zeitgenossen die Maske vom Gesicht. Von Kirchenführern, Massenmördern, dem deutschen Spießer bis zu nervigen „Callcentertussis“ bekam jeder sein Fett weg.

Der Südhesse betrat die minimalistisch gestaltete Bühne pünktlich, drehte gleich voll auf und nahm den ganzen Abend kein Blatt mehr vor den Mund. Wörter, die man sonst nur aus dem Nachmittagsprogramm des Privatfernsehens kennt, fielen wie selbstverständlich im breiten Südhessisch. Hart, auf Kante, schonungslos. Dem Publikum gefiel es.

„Der schlimmste Drecksack zur Zeit ist doch der Bischof von Limburg, früher wäre der auf den Scheiterhaufen gelandet. Aber das geht ja nicht mehr. Wobei ... vor Kurzem wurde der Papst beim Streichhölzer kaufen gesehen“, startete Knebel den Abend.

Um vor Drecksäcken sicher zu sein, plädierte Knebel analog zu dem im Radio beliebten Blitzeralarm auch für ein Drecksackwarnsystem. „Brüderlealarm wäre doch ganz passend“, so der Comedian. Und er regte auch gleich noch eine neue Religionsgemeinschaft an. „Irgendwas auf Basis der Reinlichkeit, dann habe ich schon mal alle schwäbischen Hausfrauen als Mitglieder.“ Trauen könne man ja niemandem und nichts mehr, selbst der Lasagne „net“, „da ist Pferd drin“. Knebel zeigte aber auch Verständnis: „Manchmal möchte man ja auch selber ein Drecksack sein.“ Seine Empfehlung an das Publikum: „Legt euch mindestens einen Todfeind zu. Dann könnt ihr mit einer Pumpgun ungestraft durch die Tür ballern, wenn ein Einbrecher ins Haus kommen will. Irrtümlich Notwehr heißt das Zauberwort.“

Von der technischen Innovationskraft im Schwälmer Land war der Großstädter ganz begeistert: „Wisst ihr eigentlich, was für Schätze ihr hier in Röllshausen habt? Auf der Backstagetoilette geht automatisch das Licht an. Kaum sitzt man, geht es wieder aus. Wenn man dann mit den Armen wedelt, geht es wieder an. Toll.“

Die Besucher goutierten den schwarzen Humor, das hohe Tempo und den Spielwitz mit viel Zwischenapplaus und herzlichen Lachern, sichtlich vergnügt verließ man das Dorfgemeinschaftshaus.

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

Kommentare