Kommunikation klappte nicht

Wildsau lag drei Tage tot an der Straße

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Tot am Straßenrand: Der Aufprall mit dem Auto war so heftig, dass das Wildschwein an der Unfallstelle starb.

Naumburg. Drei Tage lag ein totes Wildschwein am Straßenrand bei Naumburg. Erst am Sonntagnachmittag wurde der Kadaver beseitigt. Den Naumburger Anton Günst, ein Mann mit nahezu 60-jähriger Erfahrung als Jäger, hat das mächtig geärgert.

Am Freitag gegen 13 Uhr, erzählt er, habe er einen Hinweis von einer Naumburgerin bekommen, dass an der Straße nach Ippinghausen, nur wenige hundert Meter von Günsts Domizil, dem Weidelshof, ein verendetes Tier liege.

Er habe sich dann auf den Weg gemacht, mit einem Waschbären oder ähnlichem gerechnet, aber nicht mit einem Wildschwein, einem zentnerschweren Überläufer, der offensichtlich mit einem Auto kollidiert war.

Der 78-Jährige, der sich in der Jägerschaft des Wolfhager Landes bestens auskennt, griff zum Telefon, um jemanden, der für den Bereich des Reviers Mühlenholz zuständig ist, zu informieren. Allerdings habe er niemanden erreichen können, bestenfalls einen Anrufbeantworter.

Daraufhin habe er die Polizei in Wolfhagen angerufen. Und dort, so versichert er, habe man ihm zugesagt, sich um den Fall zu kümmern. Geschehen sei allerdings nichts. Günst: „Das Tier lag den kompletten Samstag, und am Sonntag lag es auch noch da.“

Ein Anruf am Freitag wegen des verendeten Schwarzkittels sei im Vorgangssordner nicht verzeichnet, sagte ein Polizeisprecher auf HNA-Anfrage – erst am Sonntag um 10.20 Uhr. Es dauerte dann aber noch bis zum Sonntagnachmittag, bis das Tier entsorgt wurde. Jens Paeplow aus Ippinghausen, früherer Jagdaufseher des Reviers, hatte Günsts Anruf auf seinem Telefon entdeckt.

Er fuhr die Strecke ab, fand die tote Sau, sprach kurzerhand zwei junge Landwirte an, die das Tier mit dem Frontlader ihren Treckers aufnahmen und abtransportierten.

Für die Beseitigung von sogenanntem Fallwild an den Straßen ist der Landkreis zuständig. In Wolfhagen, erklärte Kreissprecher Harald Kühlborn, sei auch ein spezielles Fahrzeug stationiert. Über eine Notfallnummer, die der Polizei und den Jagdvereinen bekannt sei, seien die Mitarbeiter erreichbar. Auch am Wochenende.

In der Wolfhager Diensstelle habe man diese Telefonnummer, bestätigte Polizeihauptkommissar Frank Jochheim. Ob, beziehungsweise was möglicherweise bei der Benachrichtigung schief gelaufen sei, werde man prüfen.

Eine Anzeige des Fahrers, der mit seinem Auto das Wildschwein traf, sei bislang noch nicht eingegangen.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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