Alkoholmissbrauch war Thema beim Dienstagsbistro in Hephata mit Expertenrunde

Droge mit übler Tradition

Sprachen vor vielen Zuhörern im Dienstagsbistro: Karin Wagner, Moderatorin Martina Bender, Thorsten Trebing und Joachim Rappold (von links). Foto: Mühling

Schwalmstadt. „Saufen bis zum Umfallen - Jugendliche und Alkohol“ war das Thema des Dienstagsbistros in Hephata. Über 80 Zuhörer, darunter Konfirmanden und Gruppen der Jugendhilfe, hörten den Experten auf dem Podium zu, stellten Fragen und berichteten über eigene Erfahrungen auf dem schmalen Grat zwischen Genuss und Missbrauch.

Laut Markus Brettschneider , Jugendkoordinator der Polizei, ist es ein großes Problem, dass von der Gesellschaft der Alkoholkonsum Minderjähriger toleriert wird. Aus falscher Tradition, beispielsweise bei der Konfirmation oder beim Eintritt in die Burschenschaft, werde Kindern erlaubt, sich richtig zu betrinken. Zudem seien die Gewaltdelikte unter Alkoholeinfluss in diesem Jahr deutlich gestiegen. Mit verstärkten Kontrollen seitens der Polizei und einer breiten Aufklärung in der Gesellschaft möchte er an das Problem herangehen.

Karin Wagner, Leiterin des Jugendamtes, sieht im Alkohol die meist akzeptierte Droge. Der Umgang damit müsse erlernt werden. Immer jüngere Jugendliche griffen zu immer härteren Spirituosen. Besonders besorgniserregend sei der ste igende Anteil an Mädchen und Frauen. „Man muss den Jugendlichen Grenzen setzen,“ riet Karin Wagner, die sich nicht als Verfechterin der Abstinenz sieht. „Es kommt auf die Menge, das Alter und das Umfeld an.“

Für Joachim Rappold, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ist das Problem nicht mit ordnungspolitischen Maßnahmen zu bewältigen. Für ihn ist der Alkoholmissbrauch ein Zeichen dafür, dass mit der Gesellschaft etwas nicht stimmt. Menschen würden funktionalisiert, Arbeitnehmer erführen eine Austauschbarkeit und Jugendliche hätten mit Fernsehen und Computer nur ein Leben aus zweiter Hand.

Als DRK-Rettungsassistent erlebt Thorsten Trebing die Auswirkungen des Alkohols bei Jugendlichen während seiner Wochenendeinsätze hautnah. Er beschrieb die verschiedenen Phasen, die man mit steigendem Alkoholkonsum von Euphorie bis zur reduzierten Atmung und Herztätigkeit durchläuft. Wichtig sei, dass man sich um einen Volltrunkenen kümmere, den Rettungsdienst alarmiere und nicht wegschaue. Besonders in der kalten Jahreszeit bestehe akute Erfrierungsgefahr.

Die Experten freuten sich, dass die Zuhörer das Gespräch mit Fragen und eigenen Meinungen bereicherten. Ihr Fazit: Viele Jugendliche sind sich des Problems bewusst und haben offen darüber gesprochen. Dennoch bleibe viel zu tun, was das Miteinander angeht, damit Jugendliche den Alkohol nicht brauchen, um ihr Glück zu erleben.

• Am Sonntag, 7. November, 10 Uhr findet ein von Jugendlichen gestalteter Gottesdienst mit Pfarrer Johannes Altmann satt, bei dem neben weiteren Aktionen zwei Ex-Alkoholabhängige von ihrer Krankheit berichten.

Von Isa Mühling

Quelle: HNA

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