Amtsgericht Fritzlar verurteilte 37-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe

Drogen aus dem eigenen Keller

Fritzlar. Zu einem Jahr und drei Monaten Freiheitsstrafe wegen unerlaubten Besitzes und Handelns mit Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen verurteilte das Schöffengericht am Amtsgericht Fritzlar einen 37-Jährigen aus dem Landkreis. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Die Staatsanwältin warf ihm vor, er habe in seinem Wohnhaus eine Cannabisplantage betrieben, um das abgeerntete Marihuana teilweise selbst zu konsumieren und teilweise weiterzuverkaufen. Der bisher strafrechtlich nicht in Erscheinung getretene Mann war geständig und berichtete, dass er zunächst nur selbst drei bis vier Gramm Cannabis täglich geraucht habe. Anfang 2009 sei ihm die Idee gekommen, Hanf anzubauen. Er wollte wissen, welche Qualität der Stoff habe, den er konsumiere. Verwunderung rief seine Aussage hervor, dass er nach seiner unfallbedingten Berufsunfähigkeit eine Beschäftigung ausgerechnet mit der Inbetriebnahme einer Rauschgiftplantage gesucht hat. Mit dem Erlös aus dem Verkauf seines Motorrads finanzierte er den Ausbau der Plantage in einer Scheune. Die Erträge seien eher schlecht gewesen und die Betriebskosten sehr hoch.

Dreimal habe man ihm alles aus der Scheune gestohlen. Daraufhin habe er im Februar 2011 die Plantage in den Keller des Wohnhauses verlegt. Mit anfangs 24 Pflanzen habe er pro Ernte zwischen 160 und 200 Gramm Marihuana gewonnen. So sei es ihm über den Eigenbedarf hinaus möglich gewesen, Freunde zum Selbstkostenpreis von nur Euro 2,50 je Gramm zu versorgen. Angaben zu den Freunden wollte der Beschuldigte aber nicht machen. Zum Schluss habe er 70 Pflanzen im Reifezustand und 70 Pflanzen im Wachstum unterhalten.

Ein Hinweis und die Aussage eines Zeugen führten im Juli 2011 zu einer polizeilichen Durchsuchung. Dabei wurden etwa 2,5 kg Marihuana, sämtliche Hanfpflanzen und das Gerät sichergestellt.

Erstaunlich einsichtsvoll kommentierte der Angeklagte das Eingreifen der Polizei:“ Was Besseres konnte mir nicht passieren. Ich bin froh darüber. Es geht mir heute gut.“ Zu seiner persönlichen Situation erklärte er, dass er seit Ende 2011 keinen Cannabis mehr rauche. Er habe an Drogenberatungsgesprächen teilgenommen und arbeite in einem Teilzeitjob.

In der Frage, ob ein minderschwerer Fall vorliege waren Staatsanwältin und Verteidigerin unterschiedlicher Auffassung. Mit der Begründung, dass der Angeklagte sein Potenzial falsch genutzt habe, in dem er jahrelang, akribisch und professionell eine Cannabisplantage betrieb und mit Rauschgift handelte, stellte das Gericht klar, dass ein minderschwerer Tatbestand nicht vorliegt.

Mit der Freiheitsstrafe, die auf drei Jahre Bewährung ausgesetzt ist, blieb das Gericht drei Monate unter dem beantragten Strafmaß. Der Verurteilte muss 2000 Euro an die Drogenhilfe und die Gerichtskosten bezahlen.

Quelle: HNA

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