13 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz

Drogen in der Grünkohldose - Angeklagter geständig

Fritzlar. Der Blick aus dem Fenster beseitigt die Befürchtung des Anwaltes, sein Mandant könne sich verspäten. „Da kommt er. Und so fein gekleidet“. Verhandelt wurde vor dem Amtsgericht Fritzlar gegen einen Vierundzwanzigjährigen. Zwischen 2012 und 2013 handelte er fast ein Jahr lang mit großen Mengen Rauschgift.

Nun werden ihm dreizehn Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz vorgeworfen. Die Höchststrafe für den gewerbsmäßigen Verkauf von Drogen würde fünfzehn Jahre Gefängnis betragen.

Heraus kam alles während einer ganz normalen Verkehrskontrolle. Der Angeklagte war Beifahrer, als in seinem Umhängebeutel Amphetamine, Marihuana und eine Platte Haschisch entdeckt werden. Insgesamt ein Kilogramm im Wert von 9000 Euro. Bei einer späteren Haussuchung wurden weitere Drogen entdeckt. Mehrere tausend Euro aus Verkaufserlösen finden sich getarnt in einer Grünkohlkonservendose. Jetzt beschloss der Angeklagte, reinen Tisch zu machen. Und das nach „oben und unten“, wie ein als Zeuge geladener Polizist feststellt. Er betont, wie selten eine derartige Aussagebereitschaft sei. So wurden nicht nur die Käufer benannt, sondern auch die Dealer. Inzwischen laufen gegen mehrere Personen Verfahren. Der Angeklagte war selbst drogenabhängig. Doch seit Jahresbeginn legte er dem Gericht zwei negative Drogentests vor. Er hat eine Wohnung und ist familiär eingebunden. Seit vier Jahren ist er in derselben Firma als Maschinenwart mit besonderen Kenntnissen tätig. Er zählt damit zu einigen wenigen Spezialisten in Deutschland.

Seinem Arbeitgeber hat er sein Drogenproblem und die daraus folgende Anklage offenbart. Die Firma schrieb an das Gericht, sie würde diesen guten Mitarbeiter auch nach einer Verurteilung behalten wollen. Zudem wurde um eine Bewährungsstrafe gebeten. Die Staatsanwältin meinte, so ein Schreiben zugunsten des Täters sei ihr in langer Praxis noch nicht vorgekommen.

Wie ein unbescholtener, intelligenter junger Mann in so eine Situation geraten konnte, löste bei allen Beteiligten „genossenschaftliches Kopfschütteln“ aus, wie die Richterin meinte. Bei der Urteilsfindung wurde alles in die Waagschale geworfen, was zugunsten des Angeklagten spricht. Zwei Jahre Haft werden zur Bewährung ausgesetzt. 600 Euro der auferlegten Geldstrafe erhält der Förderverein der Hermann-Schafft-Schule und 600 Euro der Starthilfe e.V. Monatlich müssen 50 Euro überwiesen werden, um so ständig an das Geschehen zu erinnern.

Im Publikum sitzt der Bruder des Verurteilten mit einer großflächigen Tätowierung auf dem Arm: You’ll never walk alone - Du gehst nicht allein. Es besteht die berechtigte Hoffnung, dass sich für den weiteren Lebensweg des Verurteilten künftig die richtigen Begleiter finden.

Von Michael Meinicke

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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