Drogen und Ladendiebstahl: Angeklagter zeigt Reue

Schwalmstadt/Marburg. Wegen Ladendiebstahls und Fahrens ohne Fahrerlaubnis war ein 26-jähriger aus dem Altkreis Ziegenhain bereits Ende letzten Jahres vom Amtsgericht Schwalmstadt zu einer Gefängnisstrafe von acht Monaten verurteilt worden.

Im April 2011 hatte er in einem Supermarkt, in dem er wegen vorangegangener Ladendiebstähle sogar Hausverbot hatte, mehrere Päckchen Tabak im Werk von rund 20 Euro mitgehen lassen. Weil der Mann bereits fünfmal einschlägig vorbestraft war und er die Taten in einer laufenden Bewährung begangen hatte, war die Strafe damals nicht zur Bewährung ausgesetzt worden. Dagegen hatte der 26-jährige Berufung vor dem Marburger Landgericht eingelegt. „Bisher haben Sie die Bewährungen nicht so ganz ernst genommen. Und nun soll das Gericht glauben, dass sich das ändert“, fragte Richter Wolf Winter den Angeklagten für den dessen Verteidiger antwortete.

Die Diebstähle habe sein Mandant wegen vor allem seiner Drogenprobleme begangen. Mittlerweile sei aber eine erhebliche Änderung bei seinen familiären Verhältnisse eingetreten. Er sei verheiratet und sorge für die Kinder, die seine Frau mit in die Ehe gebracht habe. „Sein bisheriger Arbeitgeber ist sogar durchaus bereit ihn trotz seiner Vorstrafen weiter zu beschäftigen, weil er sehr zuverlässig arbeitet“, legte der Verteidiger eine Bescheinigung des Arbeitgebers vor. Seine Drogenabhängigkeit bekämpfe er ernsthaft mit einer derzeit laufenden Entgiftung, die anschließend bei einer stationären Entzugstherapie fortgesetzt werden solle.

„Ich habe fast alle Taten im Drogenrausch begangen“, gab der Mann zu. Jetzt habe er eine Verantwortung in der Familie, der er sich stellen wolle. Die Bewährungshelferin schilderte Höhen und Tiefen, die sie in der Vergangenheit mit dem Angeklagten erlebt habe. Mittlerweile sei seine Lebenssituation trotz des Drogenkonsums aber fest. Deshalb schlug sie eine streng angelegte Therapie anstelle von Strafe vor.

Auf die Staatsanwältin machte der Angeklagte einen offenen und ehrlichen Eindruck. „Eigentlich spricht alles dagegen und ich habe große Bedenken, aber ich werde mich einer Strafaussetzung zur Bewährung nicht verschließen“, sagte die Staatsanwältin. Das Gericht zeigte sich von der günstigen Sozialprognose überzeugt und setzte die achtmonatige Gefängnisstrafe für vier Jahre zur Bewährung aus.

Der Mann wird deshalb weiterhin der Bewährungshelferin unterstellt, muss sich nach seiner Entgiftung einer stationären Drogentherapie unterziehen, die anschließend in einer ambulanten Therapie fortgesetzt wird. Kurzfristig angeforderte Urinproben sollen dabei helfen die Anordnungen des Gerichtes überprüfen. Der Mann nahm das Urteil noch im Gerichtssaal an.

Von Alfons Wieber

Quelle: HNA

Kommentare