Drogenszene in Schwalmstadt: Jugendlicher sagt vor Gericht aus

Treysa. In mindestens fünf Fällen soll ein Mann Drogen an einen damals 16-Jährigen abgegeben haben. Mindestens einmal soll er dem Jugendlichen auch Drogen verkauft haben.

Wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz musste sich der 26-Jährige aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis kürzlich vor dem Amtsgericht in Treysa verantworten. Weitergegeben und verkauft habe er Amphetamine und Marihuana, jeweils im Grammbereich, so die Staatsanwaltschaft.

Konfrontiert mit den Vorwürfen, stritt der 26-Jährige die Taten vehement ab. Er habe nie mit Drogen gedealt - also gehandelt. Mit dem 16-Jährigen habe er lediglich am Getränkemarkt im Treysaer Walkmühlencenter einen Joint geraucht. Das sei aber alles in der Gruppe passiert, beteuerte er: „Ich wusste ja nicht, dass der erst 16 ist.“

Den Joint hätten sie sich zu dritt geteilt, jeder habe etwas beigesteuert, sagte der Mann: „Ich habe Marihuana dazugegeben. Ganz normal.“ Mangels Geld habe er selber ja gar keine Drogen kaufen können, so der 26-Jährige weiter.

Licht ins Dunkel hätte die Aussage des vermeintlichen Abnehmers der Drogen bringen können. Während seiner polizeilichen Vernehmung hatte der heute 17-Jährige sehr detailliert Aussagen gemacht. Da der Jugendliche zurzeit eine Haftstrafe verbüßt, wurde er von zwei Polizisten in den Gerichtssaal begleitet. Der junge Mann versuchte im Zeugenstand gelassen zu wirken, schien innerlich aber doch angespannt zu sein. Immer wieder „verknotete“ er die Füße ineinander.

Keine Erinnerungen

Vom Richter zum Sachverhalt befragt konnte sich der 17-Jährige plötzlich an nichts mehr erinnern. Den Angeklagten kenne er zwar flüchtig, aber Drogen habe er von ihm keine bekommen: „Nicht ich habe etwas gekauft, sondern meine Freundin.“ Bei der Polizei habe er gelogen, um seine Freundin zu schützen, erklärte der Jugendliche.

An diesem Punkt drehte sich die Verhandlung sprichwörtlich im Kreis. Bei jeder Frage des Gerichts verwies der 17-Jährige auf seine Freundin. Selbst die Drohung mit Beugehaft konnte da nicht weiterhelfen. Auch wenn der Jugendliche offensichtlich wenig zu Klärung des Sachverhalts beitragen wollte, offenbarte er dennoch Details zur Schwalmstädter Drogenszene: So scheinen dort von Marihuana über Amphetamine bis hin zu Heroin und Crystal Meth sämtliche Drogenarten zu kursieren.

Aufgrund eines Zeugen mit Belastungseifer und Tendenz zur Lüge könne er doch niemanden einsperren, mahnte der Staatsanwalt am Ende der Zeugenbefragung. Ein Freispruch wegen Mangels an Beweisen stand somit kurzzeitig im Raum.

Ganz so einfach wollte es der Vorsitzende Richter dem Angeklagten dann aber doch nicht machen. „Ich tue mich mit einem Freispruch bei solchen Delikten schwer. Es geht immerhin um ein Verbrechen“, betonte der Jurist und vertagte die Hauptverhandlung. Dann aber wohl mit der Freundin des 17-Jährigen als weitere Zeugin.

Quelle: HNA

Mehr zum Thema

Kommentare