Waren es Bandentäter?

Für Drogenanbau in den Knast: Gericht verurteilt Männer aus dem Kreis

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Im Gerichtssaal: Die vier Verteidiger beantragten vergeblich Bewährungsstrafen für die Cannabis-Züchter.

Schwalm-Eder. Zu Haftstrafen zwischen zwei und vier Jahren hat das Landgericht Marburg vier Männer aus dem Schwalm-Eder-Kreis verurteilt.

Sie sollen in Treysa eine Marihuana-Plantage betrieben haben. Der geringe Erfolg des Vorhabens wirkte sich nicht strafmildernd aus.

Die vier Männer zwischen 25 und 40 Jahren hatten im Sommer 2014 eine Wohnung in der Bahnhofstraße in Treysa gemietet und dort eine vollautomatische Cannabis-Aufzuchtanlage aufgestellt.

Dazu bauten sie die Wohnung komplett um, durchbrachen Wände und legten Leitungen für automatische Wasserversorgung, Belüftung und Beleuchtung der Marihuana-Pflanzen. Der entstandene Schaden wird auf rund 10.000 Euro geschätzt.

In den Bau und Betrieb der Aufzuchtanlage in Treysa investierten die Männer laut Beweisaufnahme mindestens 10.000 Euro, doch der Erfolg blieb aus: Von 300 gekauften Setzlingen sei die Hälfte bereits eingegangen, bevor die Anlage betriebsbereit war, berichteten die Angeklagten. Nachdem aus der Wohnung Pflanzen verschwanden, wurden 75 verbleibende Pflanzen hastig geerntet, am Ende stand ein Ertrag von 180 bis 200 Gramm Marihuana.

Aufgeflogen war die Sache, weil aus der stillgelegten Anlage Wasser in die darunter liegende Wohnung lief. Als die unbenutzte Wohnung geöffnet wurde, wurde die Aufzuchtanlage entdeckt.

Zwei Angeklagte legten umfassende Geständnisse ab. Beide sind einschlägig vorbestraft und gaben an, seit vielen Jahren Drogen zu gebrauchen. Der 40-jährige Entwickler der Anlage stand noch unter Bewährung.

Auch der dritte Angeklagte, der die Sache organisiert haben soll, ist einschlägig vorbestraft. Der Vierte, der vor allem Geld investierte und bei der Beschaffung der Pflanzen half, konsumiert selbst keine Drogen. „Da bleibt nur das Motiv der Geldgier“, sagte Richter Gernot Christ in der Urteilsbegründung. Obwohl es sich bei Marihuana um eine „weiche Droge“ handele und für alle vier Angeklagten ein minderschwerer Fall angenommen wurde, beantragte Staatsanwalt Sebastian Bieden Haftstrafen von zweieinhalb bis fünf Jahren. Er betonte, nicht das tatsächliche Ergebnis sei entscheidend für das Strafmaß, sondern der geplante Ertrag. Diesen setzte er mit fünf Kilogramm an. Außerdem hätten die vier als Bande gehandelt.

Die Verteidiger bezweifelten, dass es sich um eine Bande im strafrechtlichen Sinne handele und sprachen von einem eher zufälligen Zusammentreffen. Entsprechende Gesetze zielten auf organisierte Kriminalität wie die Mafia oder internationale Rockerclubs.

Dennoch endete der Prozess mit hohen Freiheitstrafen ohne Bewährung für alle vier Angeklagten. Die beiden Drogenkonsumenten wurden zu je drei Jahren Haft und der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt verurteilt, vier Jahre hieß es für den „Organisator“. Der stille Geldgeber soll zwei Jahre in Haft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von Martina Koelschtzky

Quelle: HNA

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