Regionalmuseum Wolfhager Land präsentiert Arbeitsgerät zum Glätten von Wäsche

Durch die Mangel gedreht

Beim Glätten der Wäsche musste mit viel Druck gearbeitet werden, um ein knitterfreies Ergebnis zu erzielen. Bis nach getaner Arbeit alles ordentlich im Schrank lag, fühlte sich manche Frau sicher selbst wie „durch die Mangel gedreht“. Das hier abgebildete Mangelbrett wurde dem Museum Wolfhager Land von Brigitte Auffarth aus Wolfhagen überlassen, die Rolle gehörte bereits zum Bestand des Museums. Foto:  nh

Wolfhagen. „Jemanden durch die Mangel drehen“ oder „in die Mangel nehmen“ sind Redewendungen, die jedem geläufig sind. Gemeint ist damit, jemanden unter Druck setzen, jemandem heftig zusetzen, jemanden bedrängen. Man sagt auch: „Ich komme mir vor, wie durch die Mangel gedreht“, wenn man sehr erschöpft ist.

Zurück gehen diese Redensarten auf einen Arbeitsschritt aus dem Bereich der Textilpflege: das Mangeln der Wäsche.

Beim Mangeln geht und ging es um die Ausübung von Druck. Während heute in den sogenannten Heißmangeln vollautomatisch gearbeitet wird, musste noch bis weit ins 20. Jahrhundert alle Arbeit mechanisch bewältigt werden. Die Wäschepflege insgesamt war Handarbeit, die von den Frauen bewältigt wurde. Sie zählte zu den anstrengendsten Arbeiten im Haushalt.

Glücksfall

Hilfsgeräte standen zur Verfügung. In diesen Zusammenhang gehört unser Exponat des Monats Juli. Es handelt sich um ein Mangelbrett, das dem Wolfhager Museum im vergangenen Monat von Brigitte Auffarth aus Wolfhagen geschenkt wurde. Ein besonderer Glücksfall, war doch bisher nur eine Mangelrolle im Museum vorhanden und das Arbeitsgerät dadurch unvollständig.

Das 72 Zentimeter lange rechteckige Brett ist mit unterschiedlich gefüllten Rosetten verziert. Ein zusätzlich aufgebrachtes Flachrelief, eine Blume in Grün, Gelb und Rot gibt dem Arbeitsgerät seine zusätzliche besondere Note. Es trägt die Initialen „B. I.“ und ist auf das Jahr 1874 datiert. Mangelbretter waren meist aufwändig verziert, denn sie waren beliebte Geschenke vor allem für unverheiratete Mädchen. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass junge Männer ihrer Angebeteten gern ein solches individuell gestaltetes Arbeitsgerät schenkten.

Mangelbretter waren vor allem im 18. und 19. Jahrhundert weit verbreitet. Man glättete damit Stücke aus Leinen und Baumwolle.

Kraft und Geschicklichkeit

Sollte beispielsweise ein Bettlaken gemangelt werden, legten es die Frauen zunächst auf einem Tisch soweit zusammen, bis es die Breite der Rolle hatte. Dann rollten sie den Stoff ein kleines Stück ein. Das Mangelbrett wurde nun mit einer Hand am Griff genommen und über die Rolle geführt. Mit der anderen Hand übte man Druck auf das Brett aus und drehte gleichzeitig die Rolle. Dazu war allerhand Kraft und Geschicklichkeit erforderlich. War alles aufgerollt und hoffentlich auch knitterfrei, zogen die Frauen die Rolle heraus, und die Wäsche konnte in den Schrank.

Kontakt: www.regionalmuseum-wolfhager-land.de

Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 10 bis 13 und 14 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung.

Quelle: HNA

Kommentare