Arbeiter haben sich durchs Gestein gegraben

Nach sieben Monaten: Durchstoß beim Bahntunnel Zierenberg

Zierenberg. Nach sieben Monaten haben sich die Arbeiter am Bahntunnel zwischen Zierenberg und Calden-Fürstenwald durch das Gestein gegraben. 

Es ist ein tiefes, monotones Brummen, das am Freitag die morgendliche Stille rund um den sonnigen Dörnberg durchbricht. Immer lauter pocht sich das Geräusch in die Gehörgänge und lässt den steinigen Boden am Ostportal zum neuen Eisenbahntunnel zwischen Zierenberg und Calden-Fürstenwald unter den Füßen der Bauarbeiter und ihrer Gäste beben, deren Blicke an der dicken Betonschicht haften, die noch den Zugang zur gewaltigen Röhre versperrt.

Mann des Tages: Maschinist Gernot Zlöbl brachte mit seinem Bagger das Licht ans Ende des Tunnels.

Gernot Zlöbl bekommt von all dem nichts mit. Der Maschinist sitzt auf der anderen Seite auf seinem Bagger und hat nur ein einziges Ziel: die 40 Zentimeter dicke Schicht aus Gestein und Beton zu durchschlagen. Immer und immer wieder stemmt er sein schweres Gerät gegen die widerspenstige Wand, die ihn von den gespannt wartenden Zuschauern trennt. Es dauert nur wenige Minuten, bis sich erste Lichtstrahlen ihren Weg durch die immer größer werdende Risse ins Dunkel des Tunnelinneren bahnen. Zlöbl ist kurz vorm Ziel. Noch ein paar Schläge, und schon rollen die Gesteinsbrocken. Die Kollegen, die mit ihm seit Monaten diesem Ereignis entgegen gefiebert und nun hinter ihm mit nötigem Sicherheitsabstand auf die Öffnung gewartet haben, erklimmen angezogen vom Licht die Berge aus Stein und Geröll, im Gepäck ein riesiger Blumenstrauß für Tunnelpatin Monika, Ehefrau von Landrat Uwe Schmidt. Mit einem heiteren „Glück auf“ begrüßt die ihre Schützlinge, die sie während der vergangenen Monate immer wieder besucht hat. „Es ist einfach ein wunderbares Gefühl, und ich bin sehr stolz“, sagt sie, schüttelt unzählige Hände und erinnert dabei an den Tunnelanstich, als sie den Part von Baggerfahrer Zlöbl übernehmen durfte.

Das ist auf den Tag genau sieben Monate her, weiß Projektleiter Martin Fischer, der auf 884 spannende und herausfordernde Meter zurückblickt: „Wir mussten feststellen, dass Zierenberg nicht auf Treibsand, sondern doch auf einem überaus starken Fundament gebaut ist.“ Einige Male hätten sie sich die Zähne ausgebissen, sich schlussendlich mit rund 17 Tonnen Sprengstoff aber doch erfolgreich den Weg nach Calden gebahnt.

Geschafft: Es dauerte nur wenige Minuten, bis die letzten 40 Zentimeter dicke Gesteins- und Betonschicht durchbrochen war.

Ein Erfolg, der laut Fischer ohne das engagierte Team nicht möglich gewesen wäre, das tagtäglich, rund um die Uhr, mit großem Einsatz und viel Know-how Großartiges geleistet hat. Und das, ohne größere Zwischenfälle, was Maschinist Gernot Zlöbl am allerwichtigsten ist, der seinen Job seit 20 Jahren ausübt und immer wieder spannend findet: „Wenn wir heute Licht am Ende des Tunnels sehen und dabei die Gewissheit haben, dass auf dem Weg hier her niemandem etwas passiert ist, dann haben wir allen Grund zu feiern.“

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Quelle: HNA

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