Dynamischer Start ins Jahr mit dem Blasorchester Schwalmstadt

Schwalmstadt. Ein knapp dreistündiger Musikgenuss bot sich am Sonntagmittag den Besuchern in der Treysaer Festhalle. Das Blasorchester Schwalmstadt hatte zum Neujahrskonzert eingeladen.

450 Gäste lauschten dem Repertoire des Blasorchesters - einmal mehr bewiesen die Musiker Vielfalt, Qualität und Raffinesse. Wie gewohnt lenkte Stefan Todt kurzweilig und galant durch das Programm. Mit Dr. Karsten Heyner hat das Blasorchester seit vielen Jahren einen kreativen Leiter gefunden. Und so erwies sich das Orchester als ausgesprochen wandelbar.

Wenngleich manches auch von Beständigkeit geprägt ist, etwa der erste Konzertteil, in dem konzertante Werke auf dem Programm standen. „Also mehr Marschmusik geht nicht. Drei vorneweg und noch eine Zugabe“, scherzte Todt. Stets werde in der Pause der Wunsch vieler Gäste laut, mehr Märsche zum Besten zu geben. Klassiker wie der York´sche Marsch von Beethoven - bekannt unter anderem als Vertonung des Großen Zapfenstreichs - sowie der Regimentsgruß kamen beim Publikum gut an.

Exotisch klang der „Egyptische Marsch“ aus dem Jahr 1869. Strauß, der als geschäftstüchtig galt, schrieb das Werk zur Eröffnung des Suez-Kanals. „Da können Sie beim Hinhören eine Handelsflotte wahrnehmen“, beschrieb Todt das Stück.

Mit „Wade in the water“ wechselten die Musiker das Genre: Ursprünglich 1901 für ein Gospelensemble geschrieben, fanden sich darin vertonte Bibelstellen. „Bekannt wurde es in der Instrumentalversion, in der vor allem Saxophone gefragt sind.“

Kein Karnevalshits verbarg sich hinter dem Titel „Polonaise“. Antonin Dvorak hatte sich hierbei vielmehr am eleganten Gesellschaftstanz orientiert.

Wie gewohnt hielt das Blasorchester auch wieder ein kleines Gewinnspiel für die Pause bereit: Die Gäste sollten das Durchschnittsalter des „Tiefen Blechs“ schätzen. „Der Erlös des Losverkaufs geht diesmal an die Kita Rappelkiste“, erklärte Todt.

Ein Konzerthöhepunkt war ohne Frage die Ouvertüre aus dem „Fliegenden Holländer“. „Wir entwickeln uns langsam zu echten Wagnerianern“, kündigte der Moderator das Stück frech und witzig an. Das Werk aus Wagners früher Schaffenszeit - um 1840 - sei nicht allein eine klassische Ouvertüre, sondern vielmehr eine dramatische Ballade. „Wir machen das Ganze ohne den Streichersatz - dafür haben hier einzelne Kollegen ein bisschen mehr zu tun“, erklärte Todt und zwinkerte den Musikern zu. Mit der „Comedian Harmonists Story“ legte das Orchester den Grundstein für den zweiten Teil, zu hören waren Titel des legendären Sextetts, gegründet 1927 in Berlin. „Da die Hälfte der Sänger jüdisch war, wurde das Sextett bereits in der NS-Zeit wieder auseinander gerissen“, merkte der Moderator dazu an.

Nach der Pause entführten die Akteure die Gäste nach „Dallas“, wandelten auf den Spuren von Boney M. Und kehrten wieder zurück in heimatliche Gefilde - mit dem Rennsteig-Lied und dem Hessenlied, zum Mitsingen gedacht.

Die Johannes-Heesters-Gala setzte einen musikalisch pfiffigen Schlusspunkt hinter fast drei Stunden symphonische Blasmusik, das Publikum honorierte die unterhaltsame Klangreise mit lang anhaltendem Applaus. 

Quelle: HNA

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