E-Gitarre statt Orgelpfeife: ChurchNight in Zierenberger Stadtkirche

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Gelungener Auftritt: Auch die Mitglieder der Nachwuchsband Music Monks überzeugten bei der ChurchNight in Zierenberg.

Zierenberg. Grelles Scheinwerferlicht statt Kerzenschein, E-Gitarre statt Kirchenorgel und Videointerviews statt Bibeltexten: Zur ChurchNight verwandelte sich die Zierenberger Stadtkirche am Samstagabend in einen bunten Partytempel.

Sie  bot rund 150 Jugendlichen aus dem Kirchenkreis Raum, den Reformationstag nicht als Geschichte von einst zu feiern, sondern mit Blick nach vorn.

Überraschend, unkonventionell und kreativ wirbt die evangelische Kirche in Deutschland (EKD) für den Glauben an Christus, bringt das Beste der Reformation zum Leuchten und stärkt so die evangelische Identität.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Kampagne stand das Motto „Geht gar nicht! Oder doch?“, womit die ChurchNight-Kampagne das EKD-Themenjahr „Reformation und Toleranz“ aufgriff. Martin Luther und der Gedanke der Toleranz scheinen sich auszuschließen. „Hier stehe ich und kann nicht anders“: Das war Luthers Bekenntnis auf dem Reichstag zu Worms, als er seine Überzeugungen vor aller Welt widerrufen sollte. Glaube und Gewissen sind grundsätzlich frei, so die Auffassung der Reformatoren. Luther hatte den Mut, seinen eigenen Standpunkt klar zu äußern – entgegen aller Autoritäten und Auffassungen seiner Zeit. Nicht immer hat er diese Freiheit auch anderen zugestanden, sondern auch Grenzen der Toleranz überschritten. Dennoch sind Gewissensfreiheit und Toleranz im Wesentlichen auch ein Ergebnis der Reformation.

Doch wie steht es heute um die Toleranz? Was geht gar nicht, wo hört der Spaß auf? Fragen, mit denen sich auch Torsten Fiege, Kreisjugendreferent im Kirchenkreis, und seine Helfer aus dem Organisationsteam im Vorfeld der ChurchNight auseinandergesetzt haben. Mithilfe von Videointerviews zeigten sie Grenzen auf, befragten Passanten, wo für sie der Spaß aufhört. Rassismus, Schwulenfeindlichkeit, Mobbing: völlig daneben. Zu viele Hausaufgaben, Gartenarbeit am Wochenende: geht gar nicht.

Reformation und Toleranz – das Jahresthema der EKD irritiert, wirft Fragen auf und regte auch bei der Zierenberger ChurchNight zur Diskussion an.

Fotos von der Veranstaltung

ChurchNight in der Zierenberger Stadtkirche

In Workshops vertieften die Teilnehmer ihre Standpunkte, sie schauten Filme, schickten mit Luftballons Wünsche gen Himmel, stellten an der Station „Come and try“ ihren Mut unter Beweis und lernten die Kirche einmal auf ganz andere Art und Weise kennen, nämlich als „ziemlich coole Einrichtung“, wie ein Teilnehmer schwärmte, nachdem er mit den Mitgliedern der Band „Music Monks“ direkt am Altar einen fetzigen Rocksong einstudiert hatte. Die ChurchNight korrigiert das Bild von einer Kirche als Religionsmuseum, allerdings nur für einen Tag.

Nach der Party nämlich war auch vor dem wöchentlichen Sonntagsgottesdienst, und da hieß es dann wieder Kerzenschein statt Scheinwerferlicht, Kirchenorgel statt E-Gitarre und Bibeltexte statt Videointerviews.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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