Pianist David Gazarov schlug beim Konzert die Brücke zwischen Jazz und Klassik

Er ist ein echter Meister der Stile

Am Flügel: Der Pianist David Gazarov spielte in der Treysaer Hospitalskapelle. Foto: Grebe

Schwalmstadt. „Es hat mir richtig Spaß gemacht, für Sie zu spielen“, sagt David Gazarov nach dem letzten Stück. Am Samstagabend konzertierte er als Solopianist mit seinem Programm Classic meets Jazz in der ausverkauften Hospitalskapelle in Treysa.

Auch beim Publikum fand das 22. Hospitalskonzert großen Anklang, denn es äußerte seine Begeisterung nach dem ersten Stück in lauten „Super“-Rufen und kräftigem Applaus. Was war das aber auch für ein grandioser Auftakt!

Gazarov spielte nicht nur Mozarts Variationen über „Ah vous dirai-je, Maman“, nein, er spielte mit ihm, stellte ihm zunächst lausbübisch eine eigene Jazz-Version voran, und entzündete dann im Original durch atemberaubende Läufe, Anschlagsfinesse und fein austarierte Binnendynamik ein triumphales Tastenfeuerwerk.

Gazarov ist ein Meister der Stile. Ob Klassik oder Jazz, fröhlich oder vom Schicksal gebeutelt, der Künstler aus Aserbaidschan hat sie alle drauf. Klassik und Jazz sind bei ihm keine unüberwindbaren Klüfte, sondern ergänzen und beflügeln sich gegenseitig.

So brach in der Mitte des äußerst düsteren es-Moll-Präludiums von Chopin plötzlich der Jazz offen aus – fast wie eine Krankheit. Das ist es auch, was Gazarov dem Publikum an dieser Stelle zeigen wollte, dass der Jazz hier dazu diente, das Schicksalhafte des Stückes bis auf die Spitze zu treiben.

In der Pause hatte der extra aus Wiesbaden angereiste Klavierstimmer alle Hände voll zu tun, die Saiten wieder in die richtigen Schwingungen zu versetzen, denn die zweite Halbzeit ging ebenso zupackend und phantasievoll weiter wie die erste geendet hatte.

Mancher Zuhörer hätte sicherlich gerne eine CD erworben, doch auf diese Frage antwortet der Pianist spitzbübisch und deutet auf die Tasten: „Alle Cs sind da und alle Ds da“. Gazarov muss man live erlebt haben.

Er ist stets in Bewegung, improvisiert auf Wunsch eines Zuhörers spontan zu „Footprints“, baut in Chopins „Impromptu in cis-Moll“ kaum merklich ein paar rhythmische Abzweigungen ein oder lässt in seiner Version von „Bridge over troubled water“ hackbrettartige Tonrepetitionen entstehen, bevor er mit der gefühlvoll-verjazzten Fassung von „Schlafe, mein Prinzchen“ und einem sympathischen Gute-Nacht-Ruf den Zuhörer verabschiedet. (zdg)

Quelle: HNA

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