Für ihn ein echter Schatz

Wertvolles Papier: Werner Hackenberg aus Homberg fand diese Schach-Urkunde seines Vaters aus dem Jahr 1946 und möchte sie nun als Leihgabe zur Verfügung stellen. Foto: Braun

Homberg. „Das Interessanteste an der Urkunde fällt den meisten Beobachtern gar nicht auf", sagt Werner Hackenberg. Das beigefarbene Dokument mit schwarzer Schrift, das er wiedergefunden hat, sieht aus wie ein Urkundendruck, so akkurat ist die Schrift. Aber der Schein trügt - die Schach-Urkunde seines Vaters Rudolf aus dem Jahr 1946 ist handgemalt.

Datiert vom 7. Februar zeichnet die Urkunde Rudolf Hackenberg als Sieger einer Schachmeisterschaft in einem US-Gefangenenlager aus. Aus Erzählungen weiß Werner Hackenberg, dass sein Vater über Umwege dorthin gelangt war.

Ende 1942 geriet er auf dem Afrikafeldzug in Tunesien in englische Kriegsgefangenschaft und wurde an die Amerikaner übergeben. Es folgte die Deportation nach Oklahoma ins Camp 1585-128.

Aufgrund seiner guten Leistung bei einem internen Schach-Turnier wurde Rudolf Hackenberg zunächst im Offizierscasino als Kellner eingesetzt und stieg später wegen seiner guten Englischkenntnisse zum Dolmetscher auf.

„Dort schien es ihm dann relativ gut zu gehen“, sagt der Sohn. 1947 kam Hackenberg aus der Gefangenschaft wohlauf zurück nach Caßdorf. Dorthin hatte man seine Familie aus dem Sudetenland vertrieben.

Die Urkunde hatte Werner Hackenberg schon vor längerer Zeit gefunden, nun hat er sie wieder aus seinen Ordnern gekramt. Er möchte sie Museen oder Vereinen als Leihgabe zur Verfügung stellen und erinnert sich: „Mein Vater war ein leidenschaftlicher Schachspieler, oft hat er stundenlang mit einem Freund gespielt.“ Nach dem Krieg war sein Vater, Jahrgang 1910, Mitglied im Homberger Schachclub. Er verstarb 1996.

Eine Geschichte behielt Hackenberg in besonderer Erinnerung: „An einem Heiligabend saß er mit einem Freund am Schachbrett. Bevor meine Mutter ins Bett ging, brachte sie ihm noch einen Pullover und zog ihn ihm über den Kopf. Mein Vater steckte vor lauter Konzentration aber nur eine Hand durch den Ärmel. Als ich am nächsten morgen um halb acht aufstand, saß er immer noch unverändert da - und der andere Ärmel baumelte noch in der Luft.“ • Kontakt: Werner Hackenberg, Telefon: 05681/936365

Von Lukas Braun

Quelle: HNA

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