Edwin Moes arbeitet an seinem neuen Kunstprojekt „Forgotten Rooms“

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Er sieht die Stadt Melsungen mit anderen Augen: Der Künstler Edwin Moes möchte mit seinem Projekt „Forgotten Rooms“ an Vergessenes erinnern.

Melsungen. Auf den ersten Blick sind sie unscheinbar. Sie sind dunkel, verwinkelt und es herrscht eine gewisse Enge. Es sind die „Forgotten Rooms“ (Vergessene Räume), das neue Projekt des holländischen Künstlers Edwin Moes, für das er Fachwerkhäusern in der Melsunger Altstadt nutzt.

Mitten im Raum stehen zwei Sofas, Sessel, Schränke und Regale. Im Raum nebenan steht ein weißes Kinderbett, ein Sofa sowie ein Sessel mit Blumenmuster und mittendrin eine alte Holztür. Zunächst wirken die Räume leer. Doch sie erzählen Geschichten – schöne und traurige, eben persönliche Geschichten.

Edwin Moes arbeitet zurzeit an seinem Projekt „Forgotten Rooms“. Und dabei hat er eine Vision: „Geschehnisse und Menschen geraten oft viel zu schnell in Vergessenheit.“ Er selbst möchte mit seiner Kunst ein einzigartiges Denkmal schaffen – zur Erinnerung an seine Mutter, die an Alzheimer gestorben ist, als er 16 Jahre alt war. „Ich will mit meinen Kunstwerken die Zeit einfrieren und durch die Freude, Neues aufzubauen, Vergessenes wieder in den Dialog mit der Öffentlichkeit bringen“, erklärt Moes.

Räume in Fachwerkhäusern

Dazu nutzt der Künstler Nebenzimmer, Lagerräume oder Abstellkammern in alten Fachwerkhäusern in der Melsunger Innenstadt. „Das Thema Enge in altem Fachwerk steht im Kontrast zu üblichen Museumsformen, zu großen, weiträumigen Flächen. Hierin liegt das Besondere der Installationen“, sagt Moes. Die Räume werden unterschiedlich gestaltet. „Ich lasse mich in Trancezuständen inspirieren. Im Wesentlichen beschäftige ich mich zwar immer mit dem Täter-Opfer-Prinzip, aber versuche Situationen immer aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten“. Mal gehe es um das Thema Vergangenheit, mal um Gegenwart und Zukunft, mal um Leben oder Tod. „Ich verändere nur Kleinigkeiten in den Räumen und definiere dadurch einen ganz neuen Raum. Die Spuren der Vergangenheit bleiben erhalten. Ich bringe einzelne Elemente in einen Kontext, um eine bestimmte Atmosphäre zu schaffen“, sagt Moes. Graue, weiße und schwarze Farbtöne stehen hierbei für Intransparenz, eben für zunächst nicht Sichtbares. Vorhandene Farben in den Räumen seien jedoch ein zentrales Merkmal.

„Die Stadt Melsungen gibt mir unheimlich viele Impulse zum Experimentieren“, stellt der Künstler fest. Er möchte mit seiner Kunst den Melsungern die Möglichkeit bieten, die Stadt mit anderen Augen zu sehen und Kunst zu entdecken – auf den zweiten Blick. Für seine Installationen sucht Edwin Moes weitere Räume und Sponsoren. Sobald die Gestaltung seines aktuellen Kunstwerkes in der Kasseler Straße 25 abgeschlossen ist, können Interessierte an organisierten Führungen durch die „Forgotten Rooms“ teilnehmen. Zudem sollen die Räume auch multifunktional genutzt werden können – zum Beispiel für Kulturveranstaltungen.

Kontakt: Edwin Moes, Telefon 05661 / 928792, E-Mail gabriel-licht@web.de

Quelle: HNA

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