Eheleute Flörke waschen seit 34 Jahren die Trikots der SG Wettesingen/Breuna

Eine Ära endet: Marlies und Gerhard Flörke haben 34 Jahre lang die Trikots der SG Wettesingen/Breuna gewaschen. SG-Vorsitzender Walter Schmand bedankte sich mit einem Blumenstrauß und einem Reisegutschein. Foto: Ulbrich

Wettesingen/Breuna. Das jüngste Punktspiel der SG Wettesingen/Breuna ist keine 24 Stunden her. Die Trikots beider Seniorenmannschaften hängen da bereits so sauber und akkurat auf der Wäschespinne von Marlies und Gerhard Flörke, als wären sie soeben als Neuware über den Ladentisch eines Sportgeschäftes gegangen.

So ist es seit sage und schreibe 34 Jahren, am kommenden Donnerstag und Freitag wird sich diese Prozedur noch letztes ein Mal so abspielen, denn die beiden „guten Seelen“ der SG werden nach dem folgenden Spieltagen keine Maschinen verschwitzter Fußballer-Trikots mehr waschen.

„Irgendwann ist auch mal Schluss“, sagt die 73-jährige Mutter von vier Kindern. Mit einem ihrer Kinder begann auch vor über drei Jahrzehnten der Einsatz des Ehepaares rund um Stutzen, Hosen und Trikots: Als ihre Tochter Christiane mit dem damaligen Manager der SG liiert war, sollte sie sich um das Waschen der Spielerkleidung kümmern. „Gemacht hab ich das aber natürlich“, sagt Marlies und lacht dabei.

Dass sie und Ehemann Gerhard seitdem mit viel Herzblut bei der Sache waren, wird anhand einiger Fakten deutlich. Es gab kein Wochenende oder Spieltag der beiden Seniorenteams in den 34 Jahren, an denen nicht die Waschmaschine bei Flörkes lief: „Wenn, war immer nur einer von uns krank“, sagt Gerhard. Legt man durchschnittlich 30 Spieltage pro Saison und Mannschaft zugrunde und geht von drei Maschinen pro Satz aus, kommt man mit Freundschafts-/Pokalspielen etwa auf 10´.000 Maschinen. „Ja, wir haben schon den ein oder anderen Karton Waschpulver verbraucht,“ sagt Marlies. Inzwischen stehe auch die dritte Maschine in der Waschküche der Familie.

Hand in Hand gearbeitet 

Die Arbeit ist klar aufgeteilt: Während der 77-jährige Gerhard vor und nach den Spielen für das Zusammenlegen der Trikots zuständig ist, kümmert sich Marlies um das Waschen. Aber nicht nur - immer wenn es etwas zu flicken gab, nahm Marlies Nadel und Faden zur Hand - oft auch nachts. Überhaupt waren die Trikotsätze der SG-Senioren im wahrsten Sinne ein Teil ihres Lebens. Konnte die 73-Jährige nicht schlafen, drehte sich die Trommel der Maschine auch mal mitten in der Nacht zwischen 1 und 3 Uhr. Alles, damit die Akteure der Spielgemeinschaft auch immer im sauberen Dress auflaufen konnten.

Überzeugt davon hat sich wiederum Ehemann Gerhard. Der hat, wen wundert es, natürlich seit 34 Jahren kein Spiel seiner SG verpasst, für die er und fast alle Männer der Familie Flörke selbst lange die Fußballschuhe geschnürt haben.

Einzige Ausnahme: Eine schwere Erkrankung in diesem Jahr, die auch ein Grund für den Rückzug der „guten Seelen“ ist. Damit endet in diesen Tagen ein Ära bei der SG Wettesingen/Breuna.

Von Nicolai Ulbrich

Quelle: HNA

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