Ehepaar baut seit Jahren in Homberg Wein für Eigenbedarf an

Homberg. Alfredo D’Achille hat in diesen Tagen wieder viel zu tun: Die Weintraubenernte stand an, das heißt, zwei Tage körperlich anstrengende Arbeit für den 73-Jährigen.

Vieles fällt ihm nicht mehr so leicht, das Anziehen der Gummistiefel zum Beispiel. Aber selbst zu ernten, dass lässt sich der gebürtige Italiener nicht nehmen.

Die weißen und roten Trauben, die seit neun Jahren im Garten in Homberg wachsen, haben Alfredo und seine Frau Brigitte diesmal an einem Tag geerntet. Dieses Jahr ist die Ernte kleiner ausgefallen als gedacht. „Wir haben viel wegschmeißen müssen, viele Trauben waren faul“, berichtet Brigitte D’Achille.

In den Vorjahren hatte sich den D’Achilles oft ein anderes Bild geboten: Die Äste waren oft brechend voll. „Die Sonne kam dieses Jahr zu spät, es war zu lange kalt und im Juli und August zu trocken“, erklärt D’Achille die schlechte Erntebilanz 2013. Das Ehepaar erwartet, dass es die Trauben zu maximal vier große Flaschen à fünf Liter verarbeiten kann.

„Die Reben werden mit der Schere oder dem Messer abgeschnitten“, erklärt Alfredo D’Achille, und seine Augen leuchten, wenn er vom Wein spricht. Dann zerstampft er die Trauben mit seinen gelben Gummistiefeln in einem großen, schwarzen Fass, bevor sie in die Presse kommen.

Die Maische wird in der Obstpresse zu Saft weiterverarbeitet, der dann mit angesetzter Gärhefe gut vermischt wird. Dieser Saft muss bis März gären. „Im April machen wir eine Weinprobe und füllen den Wein ab“, sagt die 70-jährige Brigitte D’Achille.

Wegen der kleinen Erntemenge werden rote und weiße Trauben zusammen verarbeitet zu Roséwein. Den rosafarbenen, alkoholischen Traubensaft trinken die D’Achilles selbst: „Jeden Mittag zum Mittagessen gibt es ein Gläschen. Anschließend machen wir einen Mittagsschlaf.“

Alfredo D’Achille ist mit dem Weinbau aufgewachsen, und es war ihm wichtig, auch in Homberg Wein anbauen zu können. „Wein ist seine Leidenschaft“, verrät Brigitte D’Achille über ihren Ehemann. Mit den Trauben spreche er sogar.

„Mein Schwager hatte eine sechs Hektar große Weinplantage“, erklärt Alfredo D’Achille, der seit 45 Jahren mit seiner Frau verheiratet ist. Der mittlerweile verstorbene Schwager lebte in der italienischen Stadt Vasto in der Region Abruzzen. Über Jahre haben die Eheleute versucht, mit Weinpflanzen aus Italien in Homberg selbst Wein zu züchten – aber es hat nie geklappt. Die aktuellen Weinpflanzen erwarben sie vor neun Jahren in Fritzlar. Im Gärtnerhof erfuhren sie, dass in Deutschland nur besonders robuste Pflanzen überleben. Dazu gehören die Sorten Phoenix, Muscat Bleu und Königliche Esther, die nun im Garten des Homberger Ehepaares wachsen. „Im Winter ist es in Italien höchstens sechs Grad kalt, in Deutschland sechs oder sieben Grad Minus.“

Bis vor fünf, sechs Jahren sind die D’Achilles noch regelmäßig nach Italien geflogen. Heute ist ihnen das zu anstrengend geworden. Um sich ein bisschen Italien nach Hause zu holen, steht bei dem Ehepaar häufig italienische Kost auf dem Tisch. „Wir kaufen bei einem Händler in Kassel viele Produkte ein; auch Wein kaufen wir dort,“, sagt Brigitte D’Achille. Aber erst, wenn der Wein aus dem eigenen Garten ausgetrunken ist.

Quelle: HNA

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