Der Einsatz im eigenen Verein ist nicht mehr Ehrensache

Ehrenamt lastet auf wenigen Schultern

Schwalm-Eder. Der Malsfelder Turn- und Sportverein zählt 530 Sportler, sieben Sparten und mehr als hundert Jahre Vereinsgeschichte. Doch an einer Sache mangelt es: Nur wenige Mitglieder wollen Mannschaften trainieren oder Zuschauer bewirten, während andere auf dem Spielfeld stehen.

„Die ehrenamtliche Arbeit lastet auf immer weniger Schultern“, sagt Vorsitzende Marion Karmann. Zum gleichen Schluss kommt die jüngste Freiwilligensurvey des Landes Hessen: Der Anteil der Ehrenamtlichen im ländlichen Raum Nordhessens ist von 45 Prozent im Jahr 2004 auf 37 Prozent im Jahr 2009 geschrumpft. Oft beendeten Freiwillige ihren Einsatz wegen des Zeitaufwands.

Lesen Sie auch:

- Wie Ehrenamtslotsen Menschen zu gesellschaftlichem Engagement bewegen wollen

Auch die Zahl der Vereinsmitglieder schrumpft. 68.800 Sportler waren im vergangenen Jahr in den 350 Vereinen im Kreis angemeldet, die in den Sportkreisen Schwalm und Fulda-Eder organisiert sind. Vier Jahre zuvor waren es noch 72.200. Die Vereine verloren also 4,8 Prozent ihrer Mitglieder, während der Kreis 3,3 Prozent seiner Bevölkerung verlor.

„Auch andere Gruppen spüren den Wandel. Wie der Posaunenchor Gombeth, der zu seinen besten Zeiten ganze Festzelte mit dem Klang von 42 Posaunen erfüllte.

Dann ging den Musikern die Puste aus. „Die Wende kam in den 90ern“, sagt Chorleiter Jörg Gier. Immer weniger Nachwuchs kam zum Unterricht, bis der Chor die Übungsstunden einstellte. „Wir haben versäumt, neue Mitglieder zu werben“, sagt Gier. Heute spielen neun Musiker mit, darunter zwei Jugendliche. Sie, hofft Gier, sind die Zukunft des Chors.

Die Freiwilligensurvey nennt einen Grund zur Hoffnung: Jene Menschen, die sich derzeit nicht ehrenamtlich einsetzen, sind oftmals gewillt es zu tun: 36 Prozent der Hessen haben Interesse an einem Ehrenamt.

Quelle: HNA

Kommentare