Vera Winkler ist die einzige Frau im Feuerwehr-Wettkampfteam Fritzlar

Der Ehrgeiz gehört dazu

Mit lila Feuerwehr-Helm: Oberfeuerwehrfrau Vera Winkler (links) und Teamkollege Steffen Link arbeiten im Firefighter-Team der Fritzlarer Feuerwehr zusammen. Foto: Zerhau

Fritzlar. Wenn die Fritzlarer Oberfeuerwehrfrau Vera Winkler ihren Mann im Wettkampf steht, trägt sie einen lila Feuerwehrhelm, verziert mit Hibiskusblüten. Den haben ihre Mannschaftskollegen für sie angefertigt, um die einzige Frau im TFA-Team Fritzlar moralisch zu unterstützen.

TFA steht für „Toughest Firefighter Alive“ und bedeutet „Härtester lebender Feuerwehrmann“ in einem Feuerwehr-Wettkampf, der in Australien und Amerika populär ist und den Feuerwehrmännern einiges abverlangt.

Mit voller Ausrüstung und beim Einzellauf sogar mit angelegter Atemmaske müssen während eines Wettkampfes beispielsweise • schwere Schläuche eine Treppe hoch getragen, • ein 19 Kilo schwerer Schlauch auf zwölf Meter Höhe hochgezogen und • eine 80 Kilo schwere Puppe über 30 Meter geschleift werden. Das Ganze im Wettlauf mit der Zeit.

„Das sieht doch total einfach aus“, hätten er und seine Kameraden gedacht, als sie vor drei Jahren im Internet einen Film über die etwas andere Feuerwehrsportart gesehen hatten, erzählte Steffen Link von der Feuerwehr Fritzlar.

Sie hätten einmal etwas Neues ausprobieren wollen, kaum einer habe sich noch für die traditionellen Bundesleistungswettkämpfe interessiert. „Wenn man etwas attraktiv halten will, muss es auch modern sein“, meinte der 29-jährige Oberlöschmeister.

Doch so einfach, wie es zuerst aussah, war es dann doch nicht, wie die Mannschaft beim ersten Training feststellte. Inzwischen zählt das Team acht Mitglieder.

Die Mannschaft trainiert regelmäßig zwei Mal pro Woche und feierte schon Erfolge mit Platzierungen und Medaillen. Sie nehmen teil an internationalen Wettkämpfen als Mannschaft, bei Tandem- und Einzelläufen sowie als Teil einer europäischen Staffelmannschaft, mit der sie 2012 bei der internationalen Fire Fighter Challenge in Dubai eine Goldmedaille erkämpften.

„Fritzlar? Wo ist eigentlich Fritzlar?“, frage jetzt niemand mehr bei den Wettkämpfen, berichtete Link. Inzwischen hieße es „Gegen Fritzlar kann man schon mal verlieren“. Viele der Berufsfeuerwehrkollegen seien erstaunt über die beachtlichen Leistungen der ehrenamtlichen Wehr.

Noch spezieller ist es, dass die Fritzlarer seit 2011 mit einer Frau ins Rennen gehen – eine Seltenheit in dieser Sportart, bei der unter 300 Wettkampf-Teilnehmern meist nicht mehr als sechs Frauen antreten. „Ich wollte nur einmal mitmachen“, erinnerte sich Vera Winkler. Beim Einzellauf mit Atemmaske schaffte sie die Disziplinen nicht in der vorgegebenen Zeit und wurde disqualifiziert. „Kein Mann hätte durchgehalten“, meinte ihr Teamkollege stolz. Die meisten würden vorher aufgeben, aber sie habe weiter gekämpft bis zum Ende.

Seitdem ist bei der Feuerwehrfrau der sportliche Ehrgeiz entflammt, sie trainiert im Fitnessstudio und startete in diesem Jahr mit Teamkollege Link beim Tandemlauf in Stettin, wo sie gleich den zweiten Platz belegten, ebenso in Berlin „Das nächste Mal klappt’s noch besser“, sagte die 29-Jährige zuversichtlich.

Neben dem Wunsch, anderen im Notfall helfen zu können, sei die Kameradschaft ein wichtiger Grund für sie, bei der Feuerwehr und beim TFA-Team mitzumachen.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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