HNA vor 25 Jahren: Geburtstag feiern, Hände schütteln, Brot backen und richtig rechnen

Eier brüten in der Kaserne

Vor und hinter der Kamera: Elizabeth und Stan La Rue filmten Brotbacken in Riebelsdorf. Kennen Sie die beiden Riebelsdörfer Damen mit den Schürzen im Backhaus? Melden Sie sich per E-Mail unter schwalmstadt@hna.de. Repro: HNA

Schwalm. Manche Dinge ändern sich nie – und andere grundlegend. Das beweist der Blick in den HNA-Band vom Juni 1987. Vor 25 Jahren gab’s noch keine Frauen in der Bundeswehr und Joschka Fischer im T-Shirt, aber auch nasses Holz, das qualmt statt brennt und ein Dorf, das runden Geburtstag feiert.

Die urkundliche Ersterwähnung war 787 – im Jahr 1987 feierte Verna sechs Tage lang seinen 1200. Geburtstag: mit Platzkonzert, Bilderausstellung, Altennachmittag, Rockkonzert, Festkommers und Sporttag.

Damals war alles anders: Als Bonn noch Bundeshauptstadt und Weizsäcker Bundespräsident war und Joschka Fischer T-Shirts im Dienst trug, waren Schwälmer Jugendliche zu Gast in der Villa Hammerschmidt in Bonn. Im Juni 1987 war dort nämlich wieder Jugendempfang. Mit dem Thema „Müll und der ländliche Raum“ hatte die Landjugend aus dem Schwalm-Eder-Kreis einen Wettbewerb gewonnen. Der Preis: Sie durften die Deutsche Landjugend in Bonn vertreten.

Eine piepende Vertretung war der Hausrotschwanz in der Knüllkaserne in Schwarzenborn. Er hatte einen Aufenthalt des Panzergrenadierbataillons 152 auf dem Truppenübungsplatz genutzt, um ein Nest im Kreidekasten der Tafel zu bauen. Vier Eier brütete er dort aus – dank eines offen stehenden Oberlichts im leeren Lehrsaal. Der Bataillonskommandeur ordnete an, den Saal für die Truppe zu sperren, bis die jungen Hausrotschwänze ausgeflogen waren.

Frauen zur Bundeswehr? Das war vor 25 Jahren Thema, und damit beschäftigte sich auch die Kreiskonferenz der Jungen Union Schwalm-Eder. Heute sind Frauen in der Bundeswehr eine Normalität: Es gibt sogar weibliche Generäle. So ändern sich die Zeiten.

Das Brotbacken in Riebelsdorf war Thema einer Reisereportage in den USA. Ein Ehepaar aus Los Angeles war in Deutschland unterwegs, um einen 90-Minuten-Film über Sitten und Gebräuche zu drehen. Und deshalb filmten sie auch das Schwälmer Brotbacken.

Grünes Licht gab das Stadtparlament Neukirchen für den Bau einer neuen Sportanlage. Oberhalb der Steinwaldschule war ein neuer Sportplatz geplant. Der Bau sollte mit einer Million Euro aus Eigenmitteln finanziert werden, Kreis und Land sollten 700 000 Euro zuschießen.

Michael John rechnete am besten: Der Achtklässler der Schwalmgymnasiums in Treysa wurde Landessieger im Mathematikwettbewerb. Dafür gab’s eine Urkunde des Kulturministers, einen Scheck und das Buch „Mathematische Hexereien“. Und natürlich die Glückwünsche von Schulleiter Heribert Glotzbach.

Nicht zu beglückwünschen waren hingegen die Männer der Feuerwehr Schwarzenborn. Sie gaben sich alle Mühe, das Feuer beim Johannisfest zu entzünden. Aber durch den nassen Juni 1987 war der Holzstoß mit Wasser vollgesogen. Und das war kein neuer Schwarzenborner Streich.

Von Claudia Feser

Quelle: HNA

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