Zierenberger versammelten sich am Platz der Synagoge – Lesung über jüdisches Leben

„Ein deutliches Zeichen setzen“

Verlasen die Namen der umgekommenen jüdischen Gemeindemitglieder und legten an der Gedenktafel ein Gesteck nieder: Marek Prus, katholischer Pfarrer in Zierenberg, die evangelische Pfarrerin Katja Friedrichs-Warnke und Bürgermeister Stefan Denn (von links). Foto: Hoffmann

Zierenberg. Erinnern, aus Verantwortung für die Zukunft. Katja Friedrichs-Warnke, evangelische Pfarrerin in Zierenberg, ist das jährliche stille Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht ein Bedürfnis. Wie auch den zahlreichen Bürgern, die sich am Mittwochabend in der Mittelstraße versammelt haben.

Es ist ein historischer Ort, an dem sie der einstigen Mitbürger gedenken. Hier hat bis zum 9. November 1938 die jüdische Synagoge gestanden, die „vortrefflich ins Stadtbild eingegliedert war“, so Bürgermeister Stefan Denn. Fast 40 Jahre lang sei sie Sinnbild von Religions- und Glaubensfreiheit und vom Miteinander jüdischer und christlicher Bürger Zierenbergs gewesen.

Beim Novemberpogrom 1938, in Zierenberg bereits in der Nacht vom 8. auf den 9. November, wurden die Synagoge völlig zerstört, jüdische Wohnungen und Geschäfte durch SA- und SS-Leute überfallen und verwüstet, jüdische Mitmenschen misshandelt, der jüdische Friedhof schwer geschändet und verwüstet. Heute erinnert nur noch eine Gedenktafel an das 1897/1898 erbaute Gebäude.

Die mahnenden Worte: „Wir lernen nur, wenn wir nicht vergessen.“ „Vergessen wollen wir nicht, wir wollen uns erinnern und gegen die Verharmlosung des Nationalsozialismus ein deutliches Zeichen setzen“, sagt Denn. Es müsse gelten: Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!

Im wenige Meter entfernten Rathaus rückt wenig später auch die Dresdner Schauspielerin Ursula Geyer-Hopfe auf Einladung des Kulturforums das jüdische Leben in den Fokus ihrer Lesung. Zahlreiche Besucher lauschen ihrem ergreifenden Monolog, einer verkürzten Version von Martin Shermans Theaterstück „Rose“.

Darin erzählt die achtzigjährige Rose Feldman vom Untergang der jiddischen Kultur, von der Kluft zwischen liberalen und orthodoxen Israelis und von der Entfremdung zwischen Israelis und Juden aus der Diaspora in der „Alten Welt“. (zhf)

Quelle: HNA

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