„Kann denn Liebe Sünde sein?“ in der Kunst

Mal eindeutig, gern auch zweideutig

Bildnis der Tänzerin Anita Berber: Kunsthistoriker Konrad Nachtwey erklärte unter anderem dieses Werk von Otto Dix. Foto: Rose

Ziegenhain. „Kann denn Liebe Sünde sein?“ – unter diesem Titel stand die aktuelle Kunstbetrachtung am Donnerstag im Museum der Schwalm. Konrad Nachwey versprach den mehr als 30 Zuhörern: „Ich werde Ihnen eine Palette von Liebe zeigen.“ Und das tat er dann in gewohnt launiger Weise.

„Liebe ist nicht immer eindeutig, manchmal zweideutig“, erklärte er, machte aber auch klar: „Es gibt Elternliebe, Freundesliebe, Geschwisterliebe – quasi eine Liebe ohne Besitzwünsche. Der Narzismus beschreibt die Liebe als Geisteshaltung.“ Gustav Heinemann habe einmal auf die Frage, ob er seine Heimat liebe, gesagt: „Ich liebe meine Frau.“ Lebensalter und Verlangen thematisierte Nachtwey in einem Bild von Otto Dix: „Dix sagte immer, er male, was er sehe – und das tat er manchmal auf eine drastische Weise. So zeige das Bild „Der Salon“ aus den 1920er-Jahren etwa eine Bordellszene. „Aber das war in den 1920er-Jahren gesellschaftsfähig“, erläuterte der Kunsthistoriker.

Dix sei ein Verfechter der alten Maltechniken gewesen. Für das „Bildnis der Tänzerin Anita Berber“ verwandte er Tempera auf Holz. Das Meisterliche sei, dass Dix im Bild nur einen einzigen Ton verarbeitete – die Farbe Rot. „Aber durch die Schattierungen von Rot verklickert er uns, dass sie eine begehrte Tänzerin ist.“ Rot sei Laster, Degradenz, Eros. Diese Darstellung der besonderen Körperlichkeit – Dix zeigt keinen Schmuck – sei die nackte Verruchtheit.

Wie ein Bild zu lesen sei, hänge von der Symbolik ab: Kopulierende Hunde deuteten etwa in der niederländischen Genremalerei immer auf eine Bordellszene hin, ein Matrose verkörpere etwa das Gegenteil eines Spießbürgers. • Nächste Betrachtung 21. November, 19 Uhr, „Kinder in der Kunst“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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