Eine absolute Ausnahme: Polizei über Messerattacke und Jugendkriminalität im Schwalm-Eder-Kreis

Schwalm-Eder. Die Messerattacke eines 14-Jährigen auf zwei Männer in Homberg lässt nicht den Schluss zu, dass die Jugendkriminalität im Schwalm-Eder-Kreis ein besorgniserregendes Maß angenommen hat. Eher sei das Gegenteil der Fall, sagt Markus Brettschneider, Jugendkoordinator der Polizeidirektion Schwalm-Eder.

„Das war absolut die Ausnahme. Es ist bei uns nicht üblich, dass 14-Jährige bewaffnet durch die Straßen laufen“, sagt der Polizeioberkommissar. Der Anteil der Minderjährigen und Heranwachsenden (unter 21 Jahre) an den ermittelten Tatverdächtigen habe 2009 den niedrigsten Wert der vergangenen 15 Jahre erreicht. Auch bei den Gewaltdelikten gebe es keine Auffälligkeit.

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300 Gewaltdelikte von Körperverletzung und Raub bis zu Mord und Totschlag registrierte die Polizei für 2009. Hier gebe es nur geringe Schwankungen. Jugendliche und Heranwachsende tauchen in dieser Statistik vor allem mit Diebstählen, Sachbeschädigungen und Körperverletzung auf.

Aufgeschlüsselt nach den Altersgruppen ergibt sich für die Gewaltdelikte folgendes Bild: 84 Tatverdächtigen waren 18 bis 20 Jahre alt, 78 waren 14 bis 17 Jahre alt 21 Tatverdächtige waren Kinder unter 14 Jahren.

Vier Heranwachsende gelten als Mehrfach- und Intensivtäter (MIT), die innerhalb von zwei Jahren zehn Straftaten verübt oder eine besondere kriminelle Energie an den Tag gelegt haben. In der Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen gibt es nach Angaben von Markus Brettschneider derzeit keinen Mehrfach- und Intensivtäter.

Um zu verhindern, dass junge Leute ins kriminelle Milieu abrutschen, werden sie seit diesem Jahr intensiv beobachtet und begleitet. Sachbearbeiter kümmern sich speziell um einzelne Jugendliche. Werden sie erneut auffällig, laufen die Fäden bei diesem Beamten zusammen. Er arbeitet mit Staatsanwaltschaft, Jugendgerichtshilfe, Jugendamt und Schulen zusammen.

Die Jugendlichen werden angesprochen, und es gibt auch Gespräche mit den Eltern. Brettschneider: „Ziel ist es, Jugendliche schnell wieder auf den richtigen Weg zu bringen.“ Die Jugendlichen müssten möglichst schnell spüren, dass ihre Tat Konsequenzen habe, damit sich ihr Verhalten nicht verfestige. Insbesondere mit dem Jugendamt und der Jugendgerichtshilfe arbeite die Polizei in diesen Fragen sehr gut zusammen.

Brettschneider und seine Kollegen sind vorbeugend auch viel an Schulen unterwegs. Für Schüler der 8. Klassen gibt es ein spezielles Angebot, bei dem sie lernen, Gefahrensituationen einzuschätzen und anderen zu helfen, ohne sich selbst einem Risiko auszusetzen. An dieser Aufklärungsaktion, die das gesamte Schuljahr begleitet, nehmen derzeit drei Schulen aus dem Landkreis teil.

Darüber hinaus gibt es punktuell Angebote unter dem Titel „Cool sein“. Dabei werden in Rollenspielen Situationen gezeigt, die für Schüler gefährlich werden können. „Das fängt schon bei der Sitzplatzwahl im Bus an“, sagt Brettschneider. Wer am Fenster sitze, könne einem Peiniger auf dem Nachbarplatz nicht so leicht ausweichen. Außerdem könne es sinnvoll sein, die Straßenseite zu wechseln, wenn man auf eine Clique treffe, die sich auffällig verhalte.

Kontakt

Markus Brettschneider, Tel. 05681/774-140

Quelle: HNA

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