Am Paradeplatz wurde Teil einer gotischen Kirche sichtbar

Eine alte Mauer erzählt Geschichte

Historische Spuren: Vor der Ziegenhainer Schlosskirche vermaß Bauforscher Matthias Kornitzky (rechts) die freigelegten Mauerreste. Fotos: Grede

Ziegenhain. Erneut haben die Bauarbeiten am Ziegenhainer Paradeplatz historische Zeugnisse an den Tag gebracht: Bagger legten vor der Schlosskirche Teile einer alten Kirchenmauer frei.

Das sei ein „handfester“ Beweis über den genauen Standort des Vorgängerbaus der heutigen Schlosskirche, erklärte Bauforscher Matthias Kornitzky vom Marburger Institut für Bauforschung und Dokumentation, das die Bauarbeiten der Stadt Schwalmstadt archäologisch begleitet.

Freigelegt wurde ein Mauerstreifen, der von Osten nach Westen verläuft. Er ist circa acht Meter lang und 1,3 Meter breit.

Lage des alten Gebäudes

Das spreche dafür, dass die Mauer ein Gewölbe getragen habe, sagte der Bauexperte. Mit dem Verlauf der Mauer könne auch die Lage der Kirche bestimmt werden. Vermutlich lag der Chor auf dem heutigen Paradeplatz, das westliche Ende der alten Kirche auf der Süd-West-Ecke der heutigen Schlosskirche.

An dieser Stelle habe es eine frühgotische Kirche gegeben, erklärte Dekan Christian Wachter. Sie war der heiligen Katharina geweiht.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg wird die Kirche als baufällig und für die Ziegenhainer Gemeinde als zu klein beschrieben Zudem wollte der Landgraf in der protestantischen Festung eine Predigtkirche und keine Sakramentskirche mehr haben. So wurde der gotische Kirchenbau abgerissen.

Die Grundsteinlegung der heutigen Schlosskirche ist im Jahr 1665 verzeichnet. Die Wetterfahne und die Schlusssteine an der Kirchenmauer am Paradeplatz zeugen noch heute als sichtbare Zeichen für die ehemalige Sankt Katharinen-Kirche.

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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