Im Fritzlarer Dom gibt es Bücher, Handschriften und Urkunden aus über 1000 Jahren

Eine Bibliothek erwacht

Die Akten der Pfarrei Fritzlar: In den Kirchenbüchern des Pfarrarchivs wurden jahrhundertelang wichtige Daten festgehalten.

Fritzlar. Vorsichtig legt Margit Vogt das Buch auf den Glasdeckel der Vitrine. Ihre Hände sind in weiße Baumwollhandschuhe gehüllt, damit Schmutz und Fett das viele Jahrhunderte alte Papier oder Pergament nicht beschädigen.

„Wir haben hier wirklich wertvolle Bestände“, sagt sie. Sie übertreibt nicht: Die Fritzlarer Dombibliothek, die lange einen Dornröschenschlaf hielt in den Gängen über dem Kreuzgang des St. Petri-Domes, bietet eine Fülle von Schätzen. Vor allem für diejenigen, die alte Handschriften lieben, die in Akten und Urkunden aus über 1000 Jahren forschen möchten oder einfach nur Freude haben an Kunstwerken aus der Geschichte der Buchherstellung.

Außergewöhnliche Sammlung

Wenn es die Außentemperaturen erlauben (die Räume können nicht geheizt werden), soll die Bibliothek auch der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden. „Wir machen ab dem 17. April wieder auf, zu den üblichen Zeiten des Dommuseums“, bestätigt Kurator Anton Pristl.

Außergewöhnliche Teile der Sammlung sind in einer Ausstellung zu sehen. Dazu gehört zum Beispiel ein Fragment aus der spätlateinischen Grammatik des Priscianus, eine angelsächsische Schrift des 8. Jahrhunderts, und eine Kopie des Gedichtes „Lied von Troja“ von Herbort von Fritzlar, das etwa 1210/15 verfasst wurde.

Über die ganz besonderen Stücke hinaus, von denen auch einige im Dommuseum zu sehen sind, stehen mehrere tausend Bücher aus über 1000 Jahren in den Schränken der Bibliothek. Doch stammt die letzte Bestandserfassung aus dem Jahr 1936: Regierungsrat Dr. Ludwig Florian zeichnete damals dafür verantwortlich.

„In den Listen gibt es inzwischen so viele Streichungen, es ist vieles in Unordnung“, weiß Margit Vogt. Sie beschäftigt sich seit 2007 bereits zum zweiten Mal mit der Bibliothek, damals im Ein-Euro-Job, heute als fest angestellte Halbtagskraft.

Ihr ist es zu verdanken, dass es inzwischen eine Datenbank gibt, in die nach und nach der Bestand aufgenommen wird, mit richtiger Verschlagwortung, damit man auch etwas finden kann. Auch wurden 1927 Akten aus den verschiedenen Bereichen erfasst. Die ältesten stammen aus dem Stiftsarchiv vom Anfang des 14. Jahrhunderts.

Die gesammelten Buchbestände sind zusammengetragen aus der ehemaligen Bibliothek des St. Petri-Stiftes, der Parochialbibliothek (der Pfarrei) und aus den beständen des 1811 aufgelösten Franziskanerklosters.

Ganz unbekannt sind die Fritzlarer Schätze in der Fachwelt nicht. „Wir haben immer wieder Anfragen von Spezialisten, die bei uns nachforschen wollen“, sagt Margit Vogt. Von der Uni Göttingen kam eine Nachfrage zur Reformationszeit; es gibt Erbenermittler, die die alten Kirchenbücher einsehen möchten.

Von den mehr als 2200 Urkunden, deren älteste aus dem Jahr 1085 stammt, sind die meisten inzwischen fotografiert und digitalisiert. So können sie für die Zukunft gesichert werden. Mit anderen wertvollen Büchern wird genauso verfahren.

• Dombibliothek Fritzlar: geöffnet ab 17. April, von Dienstag bis Sonntag 10 bis 12, 14 bis 16 Uhr, Montag geschlossen.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

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