Herbergsleiter Weinberger ist überzeugt von Melsungen als Jugendherbergsstandort

Erhebliche Investitionen nötig: Aus für Melsunger Jugendherberge

Mitte April ist Schluss: In knapp fünf Monten muss Herbergsleiter Peter Weinberger die Melsunger Jugendherberge an der Lindenbergstraße für immer zu sperren. Foto: Kamisli

Melsungen. Die Melsunger Jugendherberge wird, wie berichtet, Mitte April 2012 endgültig geschlossen. Nach Auskunft des Deutschen Jugendherbergswerkes in Hessen (DJH) sehe man keine Möglichkeit zum Erhalt, weil erhebliche Investitionen nötig seien.

„Das Damoklesschwert hing schon einige Jahre über uns, und jetzt ist der Faden gerissen“, sagt Jugendherbergsleiter Peter Weinberger. Die Mitarbeiter seien bereits vergangene Woche vom Vorstand des DJH über diesen Schritt informiert worden. Die Stimmung lasse sich derzeit am ehesten so charakterisieren: Schade, dass es soweit gekommen ist.

Von insgesamt 16 Mitarbeitern sind laut Weinberger vier fest bei der Jugendherberge Melsungen angestellt, bei den anderen Mitarbeitern handele es sich um 400-Euro- und Saisonkräfte, Praktikanten, FSJler und Mitarbeiter des Bundesfreiwilligen Dienstes (BFD).

„Ich bin überzeugt, dass Melsungen eine Jugendherberge gut tut, und eine neue Jugendherberge wäre sicher ein Tourismusmagnet.“

Die Verträge der Mitarbeiter werden entweder gekündigt oder nicht mehr verlängert, sagt Weinberger. Allen Festangestellten werde aber die Möglichkeit geboten, bis Mitte April zu bleiben. „Und ich werde natürlich alles tun, was in meiner Macht steht, um die Mitarbeiter bei der Suche nach einem neuem Job zu unterstützen“, sagt der 48-jährige Herbergsleiter, der beim Hessischen Jugendherbergswerk angestellt ist. Auch die berufliche Zukunft des Herbergsvaters, der das Haus in Melsungen seit 1992 leitet, ist noch nicht klar. „Ich werde aber auf jeden Fall beim DJH bleiben“, sagt Weinberger, der vor allem das Bunte und Abwechslungsreiche an seinem Job mag. Und der besonders gern an die vielen positiven Rückmeldungen der Gäste in all den Jahren denkt.

Melsungen ist guter Standort

Er sieht in der Entscheidung für die Schließung aber auch eine Chance. „Die Ära in diesem Gebäude geht erstmal zu Ende“, sagt er. Aber damit sei auch der Weg bereitet, um etwas Neues entstehen zu lassen. Und an diesem Neuen muss seiner Meinung nach nun mit Hochdruck gearbeitet werden und das Projekt Jugendherberge planvoll angegangen werden.

Weinberger hält Melsungen für einen „sehr, sehr guten Standort“. Aber das A und O sei zunächst einmal die Frage nach der Finanzierung. Und dann müsse die Stadt überlegen, was für eine Jugendherberge sie brauche. „Ich bin überzeugt, dass Melsungen eine Jugendherberge gut tut, und eine neue Jugendherberge wäre sicher ein Tourismusmagnet“, sagt Weinberger. Mit 11 000 bis 15 000 Übernachtungen pro Jahr liege man derzeit so im mittleren Bereich. Weinberger schätzt, dass mit einem modernen Haus mit bis zu 25 000 Übernachtungen zu rechnen sei. Das habe die Erfahrung an anderen Standorten gezeigt.

Die Stadt wird sich klar für Melsungen als Jugendherbergsstandort einsetzen, sagt Bürgermeister Dieter Runzheimer. Gemeinsam mit DJH und möglichen Investoren sollen Perspektiven ausgelotet werden. „Ich möchte, dass es uns gelingt, hier bald wieder eine Jugendherberge zu bekommen“, sagt Runzheimer.

An der Lindenbergstraße läuft der Betrieb für die Gäste bis April normal weiter. Gerade wird das ganze Haus weihnachtlich dekoriert. Im November und Dezember werden 400 Grundschüler und Kindergartenkinder zum Plätzchenbacken erwartet. Alle Gäste, die für die Zeit nach der Schließung gebucht haben, werde man in den kommenden Wochen anschreiben und ihnen bei der Suche nach Alternativen behilflich sein, sagt Weinberger.

Quelle: HNA

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