Eine Frau vor Katholiken: Theresia Wehrum leitet die Liturgie 

Frau am Lektorenpult: Theresia Wehrum aus Binsförth ist Liturgin in der Katholischen Kirchengemeinde Spangenberg-Morschen-Alheim. Sie leitet Tagzeitenliturgie und darf Wort-Gottesdienste im Notfall halten. Foto: Feser

Morschen/Spangenberg. Seit Pfarrer Erich Kiel im Ruhestand ist, hat die katholische Kirchengemeinde Spangenberg-Morschen-Alheim statt sechs Gottesdiensten pro Woche nur noch einen.

Den leitet der Pfarrer aus Melsungen. Neuerdings bietet Liturgin Theresia Wehrum als Laiin Tageszeitliturgien an. Sie will Kirche mitgestalten. Deshalb steht Theresia Wehrum aus Binsförth zwei Mal pro Woche vor der katholischen Kirchengemeinde in Morschen und Spangenberg: Sie betet mit der Gemeinde, sie bittet um den Segen, sie hält die Liturgie. Dass sie eine Frau ist, die vor den Katholiken steht, dort, wo eigentlich Priester stehen, das ist ihr gar nicht wichtig. Viel wichtiger ist ihr, „dass es für die Gläubigen eine Möglichkeit gibt, in der Gemeinschaft der Kirche den Glauben zu leben“.

Seitdem Pfarrer Erich Kiel im Ruhestand ist, hat sich einiges geändert für die 600 Gemeindeglieder in der katholischen Kirchengemeinde Spangenberg-Morschen-Alheim: Seit 38 Jahren hatte Pfarrer Kiel an sechs Tagen die Woche Gottesdienste gehalten. Nun gibt es nur noch einen einzigen: Samstagabends leitet Pfarrer Josef Nzati Mabiala aus Melsungen die Eucharistiefeier in Spangenberg, denn er ist nun auch für diese Kirchengemeinde zuständig.

Wohl in weiser Voraussicht hatte Pfarrer Kiel vor einigen Jahren Theresia Wehrum den Tipp mit dem Liturgie-Fernkurs gegeben. Sie war aktiv in der Gemeinde: leitete den Kindergottesdienst, war Lektorin, sang in der Schola der Gemeinde mit, hat viel zum Thema Religion und Kirche gelesen.

„Ich möchte, dass die Gemeinschaft erlebbar bleibt und nicht nur jeder für sich zuhause betet.“

Seit April 2013 belegt sie nun „Liturgie im Fernkurs“ des Bistums Trier und ackert alle sechs Wochen ein neues Lehrheft des Bistums durch. Darin geht es um katholische Theologie: den Glauben, die Liturgie, die Rolle der Laien in der Kirche.

Seit Dezember steht Theresia Wehrum nun vor der Gemeinde, im grauen Lektorengewand. Sie hält Vesper und Laudes, also Morgengebet und Abendgebet. Die Struktur ist immer die gleiche, die Liturgin hat aber freie Wahl bei der Gestaltung, etwa welche Psalmen sie singt. Aber: Theresia Wehrum darf nur am Ambo, dem Lesepult, stehen, weil sie Laiin ist. Aus der Heiligen Schrift auf dem Altar darf nur ein Priester lesen.

Die Laiin hat einen Auftrag, den ihr Taufe und Firmung gegeben haben: „Es ist der Auftrag für uns Christen, mitzuarbeiten.“ Das äußere sich auch im Mitbeten und Mitsingen. Sie wünscht, dass die Gemeinde Liturgie, Andacht, Eucharistie nicht nur auf sich einplätschern lassen, sondern mitmacht. „Denn die Gemeinschaft ist die Stärkung für den eigenen Glauben.“

Pfarrer Kiel hat der Laiin noch einen besonderen Auftrag erteilt: Im Notfall, wenn der Pfarrer verhindert ist, darf Theresia Wehrum Wort-Gottesdienste feiern - mit Glaubensbekenntnis und Vaterunser. Aber ohne Eucharistie - das darf nur ein Priester.

Theresia Wehrum kam 1963 im heutigen Tschechien, im Grenzgebiet zu Deutschland, zur Welt. Ihre Muttersprache ist deutsch. Nach dem Tod des Vaters reiste die Familie nach Deutschland aus. Theresia Wehrum lebt seit 1988 in dem Mörscher Ortsteil Binsförth. Sie ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. Die heute 51-Jährige ist gelernte Kinderkrankenschwester und arbeitet zurzeit als Aushilfe in einer Bäckerei. Seit 1993 engagiert sie sich in der katholischen Kirchengemeinde.

Seit April 2013 hat Theresia Wehrum den Kurs Liturgie im Fernkurs des Bistums Trier belegt. Pfarrer Erich Kiel war ihr Mentor. Alle Prüfungen hat sie bestanden, nun steht noch die Bewertung der Hausarbeit aus. Das Thema: Umkehr, Buße und Versöhnung - wie es in der Liturgie zum Ausdruck kommt. Das Ergebnis erwartet sie im Januar.

Von Claudia Feser

Quelle: HNA

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