Wie eine Frielendorferin mit ihrer Depression umgeht

Leer und ausgebrannt: Vor 13 Jahren ging es der inzwischen 57-jährigen Frielendorferin extrem schlecht. Inzwischen fühlt sie sich gefestigt. Foto:  dpa

Frielendorf. „Inzwischen bin ich gefestigt, fühle mich im Reinen“, sagt die 57-Jährige. Doch sie hat viel durchleiden müssen: Depressive Schübe, fast ein Zusammenbruch.

Schon immer machte der Frielendorferin die Herbst- und Winterzeit zu schaffen. Meist begann der depressive Schub schon Mitte/Ende September und erreichte zu Weihnachten seinen Höhepunkt.

Im Dezember 2002 war sie schließlich kurz davor zusammenzubrechen. Es ging einfach nichts mehr, erinnert sie sich. Alles ging nur noch mühsam, der Antrieb fehlte. Oft saß sie einfach nur da und weinte. Leer und ausgebrannt fühlte sie sich. An schlafen war kaum noch zu denken. Selbst Schlafmittel halfen nichts. Die Frielendorferin suchte nach Gründen. Da waren Krankheit und Tod der Eltern, deren Pflege sie anderthalb Jahre kaum zur Ruhe kommen ließen, hinzu kamen die Anforderungen durch ein Kleinkind und einen pubertierenden Teenager und „da war das Gefühl von großer Leere“. Und immer mehr habe sie sich abgeschottet. Unter Menschen war sie irgendwann gar nicht mehr gegangen, selbst das Abholen der Tochter von der Bushaltestelle war ihr schwer gefallen.

Rückblickend meint sie, habe sie gerade noch rechtzeitig die Reißleine gezogen. In dieser Zeit wurde mehrfach über die Depash-Gruppen und deren Gründerin berichtet, die das Thema Depression in den Fokus rückte. Sie gab sich einen Ruck und suchte die Depash-Gruppe in Homberg auf. Dies sei der Wendepunkt gewesen, sagt sie heute. Schon nach wenigen Wochen dachte sie: „Wenn du andere hörst, geht es dir gar nicht so schlecht.“ Dieses Umdenken war für die Frielendorferin ein Anfang der Wende. In Gesprächen wurde ihr auch bewusst, dass die meisten Probleme, die ihr Erwachsenenalter bestimmen, in der Kindheit ihren Ursprung haben.

Vom Hausarzt bekam sie ein Antidepressivum verordnet: „Aber auch das ist nur eine Krücke, laufen lernen musst man selbst.“ Das Medikament empfindet die 57-Jährige heute als Mäuerchen, das eine Art Schutz bietet. Es versetze aber keineswegs auf eine rosarote Wolke oder in eine problemfreie Welt. Wie die Medikamente nur eine Hilfe darstellen, seien auch Selbsthilfegruppen nur ein kleiner Teil und nur Hilfe zur Selbsthilfe, sagt sie. Ersetzt werde damit keine ärztliche Behandlung und keine Therapie.

Quelle: HNA

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