Eine gute Spur für Blinde - Neues Leitsystem in Melsungen

Es ist der erste Blindenpfad im Land: Waltraud König, Dr. Stephan Lechner, Walter Gille, vorne Melsungens Behindertenbeauftragter Robert Weck, dahinter Bürgermeister Markus Boucsein, Mark Weinmeister, Ingolf Schinze von der Firma Klostermann und Gustav Walter, Behindertenbeauftragter des Schwalm-Eder-Kreises. Die kleinen weißen Kappen vorne sind die Elektro-Chips, die sehbehinderten Menschen den Weg weisen. Fotos:  Brandau

Melsungen. Die Stadt Melsungen ist die erste Stadt in Deutschland, die ein Leitsystem für Blinde und Sehbehinderte in einer Straße installiert hat. Noch ist es mit wenigen hundert Metern nicht lang, doch das soll sich ändern.

Die Stadt wolle die Teststrecke erweitern und ausbauen, sagte Bürgermeister Markus Boucsein am Freitag bei der offiziellen Einweihung.

Bislang ist der Bürgersteig von der Straße Am Sand bis zur Bartenwetzerbrücke mit weißen Punkten versehen. Die sehen zwar völlig unscheinbar aus, stecken aber voller Technik. Die ist so modern, dass sie schon fast futuristisch wirkt: Sie wird über spezielle Blindenstöcke aktiviert, die die Elektro-Chips aktivieren. Und die geben per Computerstimme über das Smartphone alle erdenklichen Hinweise. Auf Dienstleistungen, Geschäfte, Besonderheiten, aber auch auf Fußgängerüberwege und Kreuzungen.

„Das System ist auf die individuellen Bedürfnisse von Sehbehinderten ausgelegt“, sagte Dr. Stephan Lechner von der Europäischen Kommission. Dass dieses System nun bundesweit zum allerersten Mal in Melsungen zum Einsatz kommt, sei dem früheren Bürgermeister Dieter Runzheimer und Reinhold König von Hessen-Mobil zu verdanken, der ebenfalls vor kurzem verstarb, sagte Bürgermeister Boucsein. Beide hatten sich fürs neue System stark gemacht. „Wir sind stolz darauf, die Ersten zu sein, die Sehbehinderte auf diese Art unterstützen.“ Die Stadt Melsungen werde alles dafür tun, um Behinderten weiter das Leben zu erleichtern.

Das sah auch Staatssekretär Mark Weinmeister so: Das Leitsystem soll Sehbehinderten dazu verhelfen, sich besser zu orientieren. Zusätzlich soll es ihnen mehr Informationen zu dem geben, was vor ihnen liegt. „Das ist ein echter Mehrwert: Es geht über reines Sicherheitsdenken weit hinaus“, sagte der Guxhagener. Seine Hoffnung ist es, dass das Melsunger Beispiel bald Schule macht. Zwar wurde bereits im Flughafengebäude Kassel-Calden ein ähnliches Leitsystem installiert, doch ist die Bartenwetzerstadt die erste, die es im Außenbereich, also auf einer Straße, verlegt hat. „Wir zeigen, was alles machbar ist“, sagte Boucsein. Melsungen übernehme eine Vorreiterrolle, auf die es stolz sein könne.

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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