Hüterin der alten Trachten: Ingrid Grein gestorben

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Für ihr Malerdorf: Ingrid Grein starb im Alter von 51 Jahren.

Willingshausen. Eine Bewahrerin der Schwälmer Trachten und Traditionen ist tot: Ingrid Grein starb im Alter von 51 Jahren.  

Am Donnerstag, 1. Mai, starb Ingrid Grein an den Folgen einer Krebserkrankung. Den Menschen in der Schwalm war die Willingshäuserin unter anderem als Initiatorin des Willingshäuser Bilderschwatzes bekannt. Ihr Anliegen war es, die Tradition, Tracht und die Malerkolonie Willingshausen zu pflegen - und auch die Jugend für diese Themen zu interessieren.

Ingrid Grein besuchte Schulen in Willingshausen und Treysa, absolvierte eine Schneiderlehre und war anschließend unter anderem als Kostümbildnerin beim Hessischen Rundfunk tätig. Bis zu ihrem Tod arbeitet sie in ihrem eigenen Atelier in Willingshausen.

Ihre Freundin Ingrid sei die erste gewesen, die die alte Tracht aus der Zeit von von Reutern gepflegt habe, berichtet Uli Becker-Dippel. Unterstützt und gefördert von Marianne Heinemann trat Ingrid Grein erstmals in dieser Form der Tracht 1974 beim Sängerfest auf. Sie war damals zwölf Jahre alt, die Liebe für die Tracht war damit entdeckt und wurde über alle die Jahre gepflegt und bewahrt.

Maßgeblich war sie für das Konzept des Euro-Art-Festtages verantwortlich. Trotz ihrer schweren Erkrankung war sie an der Vorbereitung beteiligt, hat beraten, eingegriffen und geschlichtet. Ihr ist es im Wesentlichen zu verdanken, dass die Willingshäuser beim internationalen Treffen der Künstlerkolonien Euro Art die Gemälde in originalen Kleidern nachstellen konnten. 150 Willingshäuser, die sich für die Euro Art engagierten, werden am 17. Mai ein Helferfest auch zu ihrer Erinnerung feiern.

Die Trauerfeier für Ingrid Grein findet am heutigen Dienstag, 6. Mai, um 14 Uhr in der Friedhofshalle in Willingshausen statt. 

Es ist nicht nur ihr ehrenamtliches Engagement, das Spuren hinterlässt. An Ingrid Grein schätzten ihre Freunde auch, dass sie „kritisch und kantig“ war. Sie erinnern in diesem Zusammenhang zum Beispiel an ihren Protest um die bunten Betonkübel in der Willingshäuser Ortsmitte. Sie meldete sich auch zu Wort, wenn die Tracht nicht „ordentlich angezogen“ war. Mit ihrer Meinung sei sie gerade heraus gewesen, auch wenn sie damit aneckte, sagen ihre Freunde. Trotz ihrer fortschreitenden Krankheit habe sie anderen Mut gemacht, habe bis zu ihrem Ende gekämpft und gehofft.

Mit Freunden, Verwandten und vielen Willingshäusern trauern um Ingrid Grein ihre drei Kinder im Alter zwischen 16 und 20 Jahren und ihre Mutter. (syg)

Quelle: HNA

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