Dr. Edgar Franke über seine Ziele als Vorsitzender des Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages

Eine Karriere auf Franke-Art

Sein Gewicht nimmt zu in Berlin, und das nicht auf der Waage: Dr. Edgar Franke (links), hier bei einem Wahlkampfauftritt 2013 mit dem heutigen Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Archivfoto: ula

Schwalm-Eder. Der Aufstieg ist geschafft, und er ist bemerkenswert: Dr. Edgar Franke (53), SPD-Bundestagsabgeordneter aus Gudensberg per Direktmandat, leitet jetzt als Vorsitzender den Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages in Berlin.

„So einen Posten kriegt man nicht ohne harten Kampf und viel Einsatz“, sagte Dr. Franke gestern kurz nach seiner Wahl. Er hat ihn gewonnen, den Kampf. Und will in den kommenden vier Jahren beweisen, dass die Entscheidung für ihn richtig war.

Wir sprachen mit ihm über seine Karriere, inhaltliche Schwerpunkte und die Bedeutung der neuen Aufgabe.

HNA: Nach nur vier Jahren Arbeit im Parlament schon Vorsitzender im Ausschuss für Gesundheit: Was hat Sie letztlich dorthin gebracht?

Dr. Franke: Das ist ein Themenbereich, der mich einfach schon lange interessiert, weil es auch viel Bezug zu meinem Wahlkreis hat, etwa bei der Ärzteversorgung und Medizintechnik bei B. Braun. Deshalb wollte ich auch vor vier Jahren unbedingt in diesen Ausschuss. Und ich habe mich eingearbeitet in die Thematik und Unterstützer gefunden. Als Vorsitzender bin ich sicher ein echter Newcomer.

Was macht ein Ausschussvorsitzender eigentlich, welche Rolle spielt er?

Dr. Franke: In den Ausschüssen wird ja die eigentliche Arbeit gemacht, dort bereitet man die Gesetzesvorlagen vor, berät die Details. Und der Vorsitzende leitet die Sitzungen und Expertenanhörungen, er steuert gewissermaßen auch den Diskussionsprozess. Da wird mir mein juristisches Fachwissen sicher helfen. Außerdem macht mir die Arbeit einfach Spaß: Ich ackere gerne mal stundenlang Akten durch.

Welche Themen liegen Ihnen im Bereich Gesundheit denn besonders am Herzen?

Dr. Franke: Das Thema Korruption im Gesundheitswesen habe ich ja schon federführend bearbeitet, es steht auch im neuen Koalitionsvertrag. Patienten müssen sicher sein, dass ausschließlich medizinische Gründe bei einer Behandlung maßgebend sind - und nicht das Geld.

Mehr zu Dr. Edgar Franke lesen Sie auch im Regiowiki der HNA.

Das wichtigste Thema der nächsten Jahre wird der Bereich der Pflege sein, gerade in unserer alternden Gesellschaft. Jede Familie ist davon betroffen: Wie soll man Pflege bezahlen, wo gibt es wohnortnahe Plätze? Vor allem müssen wir für eine ordentliche Bezahlung des Pflegepersonals sorgen. Am Herzen liegt mir außerdem die Neuregelung der hausärztlichen Versorgung, besonders auf dem Land.

Fürchten Sie sich nicht vor der Einflussnahme von Lobbyisten aus den Bereichen Pharmaindustrie/Ärzteschaft/Versicherungen?

Dr. Franke: Lobbyismus ist nicht grundsätzlich schlimm. Es ist positiv, wenn ich mich von Experten gut informieren lassen kann über bestimmte Themen, dazu sind Interessenvertreter da. Deren Sichtweise blind übernehmen darf ich natürlich nicht. Am Ende muss ich mir meine eigene Meinung dazu bilden und sie dann auch vertreten können.

Sie sind in der Hierarchie des Bundestages und der Fraktion aufgestiegen. Merkt man das im Alltag schon?

Dr. Franke: Klar. Ich kriege jetzt ein richtig großes Büro, habe einen echten Professor als Mitarbeiter und weitere Leute, die nur für mich arbeiten. Außerdem grüßen mich jetzt Leute, die mich sonst nie beachtet haben. Und es regnet Einladungen, zu Diskussionsveranstaltungen, zu Interviews, von Medien.

Wie gehen Sie mit der zweifellos gewachsenen Prominenz um?

Dr. Franke: Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, es gefiele mir nicht. Aber ich bleibe bei meiner Art, eher locker und selbstironisch zu sein. Vor dem Ausschuss habe ich gesagt: ‘Ich bin 53 Jahre, Jurist und aus Nordhessen, mit der Betonung auf Nord. Vor 35 Jahren habe ich mit der politischen Arbeit begonnen. Damals hatte ich lange Haare - und jetzt sehen Sie, was draus geworden ist.‘ So eine flapsige Begrüßung kennen sie hier in Berlin nicht, da habe ich viele Lacher auf meiner Seite. Aber es gibt auch etliche, die diesen Ton nicht mögen.

Wie viel Respekt haben Sie vor der Aufgabe in den nächsten vier Jahren?

Dr. Franke: Manchmal denke ich schon: Wow, mal sehen, wie ich das packe! Aber es war ein langer Weg, den ich zurückgelegt habe, vom Dorfjungen aus Haldorf, der noch Platt sprach, bis zum aktuellen Ausschussvorsitzenden in Berlin. Da gehörte Fleiß und einiges an Glück dazu.

Abheben werde ich sicher nicht. Meine zwei Töchter und meine Frau zuhause, die holen mich schnell wieder runter. Die Familie als Erdung spielt eine ganz große Rolle.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

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