Vor 35 Jahren: Gefängnisausbruch nahm blutiges Ende – Frau wurde erschossen

Gefasst: Einer der Ausbrecher wurde in Rommershausen festgenommen. Er saß wegen Raubes und versuchten Mordes im Ziegenhainer Gefängnis. Repro: HNA

Ziegenhain. „Sie waren zu dritt. Sie flohen aus Hessens sicherstem Gefängnis. Sie töteten eine Frau. Tausende lebten in Angst.“ So titelte eine Boulevardzeitung. Beschrieben wird das blutige Finale eines Ausbruchs aus dem Ziegenhainer Gefängnis Ende Dezember 1976.

Die bittere Bilanz der 27 Stunden währenden Flucht dreier Häftlinge: In Allendorf/L. tötete einer der Ausbrecher eine 55-jährige Frau, in Rommershausen schoss sich der andere in den Kopf.

Spektakulär - die Flucht des Trios aus dem Gefängnis: Mit einem Stilett erzwingen die Männer, von denen zwei wegen Mordes und einer wegen Mordversuchs einsaßen, von Gefängnisbediensteten die Herausgabe des Schlüssels für die Waffenkammer. Mit Pistolen, Munition und einem gefesselten Justizbeamten als Geisel türmten die drei Gefangenen aus der Haftanstalt.

Einer der drei kam nicht weit. Der „Blinde“ wurde der Mörder in der Haftanstalt genannt, und seine Fehlsichtigkeit wurde ihm zum Verhängnis: Am Bahnhof Treysa hielt er einen Kripobeamten für einen Taxichauffeur.

Nacht in der Scheune

Die beiden anderen gefährlichen Gewaltverbrecher setzten ihre Flucht fort. Fieberhaft wurde nach ihnen gefahndet. Mehr als 350 Polizisten waren im Einsatz. Vergeblich. Querfeldein hatten sich die beiden bis nach Allendorf durchgeschlagen. Bei bitterer Kälte übernachteten sie in einer Scheune, dort hielten sie sich den ganzen Tag versteckt.

Erst gegen Abend wagten sie sich heraus, überfielen ein Ehepaar in einer alten Mühle an der Schwalm. Mit Waffengewalt erzwangen sie die Herausgabe von Kleidung und Gummistiefeln und verschwanden in der Dunkelheit.

Während Hundertschaften der Polizei Richtung Allendorf dirigiert wurden, drangen die beiden dort in das nächste Haus ein, fesselten einen Mann und seine schwangere Ehefrau, forderten Bargeld. „Flehentlich bat das Ehepaar um sein Leben“, hieß es dazu in der HNA. Mit 250 Mark Beute zogen die beiden gefährlichen Verbrecher schließlich weiter.

Dem Ehepaar gelang es, sich zu befreien. Im ersten Stock des Hauses machte es einen grausigen Fund. Dort saß die Mutter der hochschwangeren Frau tot im Sessel. Ein Einschuss unter dem linken Ohr hatte ihrem Leben ein Ende gesetzt. Die 55-Jährige häkelte gerade Babysachen, als ihre Mörder kamen.

In Rommershausen endete die Flucht der Verbrecher. Einer von ihnen wurde von der Polizei auf der Straße überwältigt, der andere in einem Vorgarten umzingelt. Nach einem heftigen Schusswechsel mit der Polizei richtete er die Waffe gegen sich selbst und schoss sich in den Kopf. Er starb an den Folgen seiner Verletzung.

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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