Tipps für Urlauber: Im Süden zeigt sich Omega Centauri, Zentrum einer Zwerg-Galaxie

Eine Kugel aus Sternen

Omega Centauri: Zentrum einer Zwerg-Galaxie, die in unsere Galaxis eingedrungen ist. Foto: ESO/nh

Wolfhager Land. Mitte Juli blicken wir gegen 22.30 Uhr nach Süden. Dort steht der 600 Lichtjahre entfernte Riesenstern Antares im Sternbild Skorpion, dessen charakteristischer Stachel rechts oberhalb Antares zu sehen ist. Der Ringplanet Saturn ist immer noch gut im Sternbild Jungfrau zu beobachten. Zwischen 10. und 12. Juli zieht der Mond an Antares vorbei in Richtung Osten, am 14. Juli ist dann Vollmond, er geht bei Sonnenuntergang im Osten auf.

Da es im Sommer viele Menschen in den Süden zieht, wollen wir auch die Sterne des südlichen Himmels kennenlernen. Zuerst machen wir Station auf Mallorca. Obwohl westlich, ist es um 22.30 Uhr dort wegen der geringeren geographischen Breite schon richtig dunkel. Wer Urlaub auf den Kanarischen Inseln macht, ist noch weiter im Westen und nur etwas weiter südlich. Deswegen ist es hier erst 21.30 Uhr, es dämmert noch und Mond und Antares stehen im Südosten.

Einige Sterne des bekannten Sternbildes Centaurus tauchen über dem Horizont auf. Wer dieses Sternbild und andere Sterne des Südens aber richtig beobachten will, muss zum Beispiel nach Namibia fliegen. Dieses afrikanische Land liegt östlich von Kassel bei einer Breite von etwa 22˚ Süd. Hier herrscht Winter, und es ist schon lange stockfinster.

Kreuz des Südens

Mond und Antares stehen fast im Zenit, dem höchsten Punkt des Himmels. Das berühmte „Kreuz des Südens“ ist über dem Horizont zu sehen. Einen hellen „Polarstern“ gibt es am Südhimmel nicht. Weit oberhalb vom Kreuz sieht man das ganze Sternbild Centaurus. Der obere der beiden hellen Sterne ist Alpha Centauri, ein Doppelsternsystem, das den uns nächsten Stern (4,3 Lichtjahre Entfernung) enthält.

Rechts davon steht eines der schönsten Himmelsobjekte, das man mit bloßem Auge beobachten kann: Omega Centauri. Eine Kugel aus Millionen von Sternen, fast 200 Lichtjahre groß, 17 000 Lichtjahre entfernt, erscheint uns so groß wie der Anblick des Vollmondes. Noch bis vor Kurzem dachte man, dies sei einer der etwa 300 Kugelsternhaufen unserer Galaxis. Inzwischen wissen die Astronomen, dass das nicht stimmt: Im Gegensatz zu Kugelsternhaufen, deren Sterne alle gleich alt sind, gibt es in Omega Centauri auch viele jüngere Sterne. Deren Bewegungen hat man nun sehr genau untersucht und dabei festgestellt, dass im Zentrum von Omega Centauri sogar ein schwarzes Loch mit 40 000 Sonnenmassen stehen muss.

Die Vermutungen der Astronomen sind faszinierend: Omega Centauri ist das Zentrum einer Zwerg-Galaxie, die von unserer Galaxis verschlungen wurde und dabei ihre äußeren Sterne und Gase verloren hat. Omega Centauri ist mit Sicherheit nicht die erste „Mahlzeit“ unserer Galaxis und wird vielleicht in einer Milliarde Jahren nicht mehr als leuchtende Sternenkugel am Südhimmel zu sehen sein, sondern auseinandergezogen als unscheinbarer Ring das Zentrum unserer Galaxis umgeben.

Von Klaus-Peter Haupt

Quelle: HNA

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