Steht noch bis Ostern

Küsterin errichtete in Kirche Bauwerk für Wunschzettel

Vor ihrer Mauer: Küsterin Jutta Schöning versteht ihr Bauwerk als Einladung an jeden, seinen Hoffnungen Ausdruck zu verleihen. Foto: Weigel

Trutzhain. Normalerweise trennen Mauern Menschen. Doch in Trutzhain soll eine Mauer symbolisch die Barrieren zwischen Menschen auflösen.

Jedes Jahr zur Fastenzeit lässt sich die Küsterin der Wallfahrts-Kirche Maria Hilf in Trutzhain, Jutta Schöning, etwas besonderes einfallen. Diesmal baute sie eine Klagemauer, die bis Ostern in der katholischen Kirche stehen wird. Dort können Besucher ihre Hoffnungen auf kleine Zettel schreiben. Diese stecken sie anschließend in die Ritzen der Mauer, auf dass sie an Ostern erfüllt werden.

„Die Mauer ist ein Symbol für die Mauern in unseren Köpfen“, erklärt die Erbauerin. Damit meint sie Engstirnigkeit und Vorurteile, die an den Beziehungen zwischen Menschen nagen.

„Die Mauer ist ein Symbol für die Mauern in unseren Köpfen.“

Die Idee zum Mauerbau kam der Küsterin durch einen Bericht über ein syrisches Flüchtlingslager: „Obwohl den Menschen die Flucht gelang, leben sie noch immer wie Gefangene hinter Stacheldraht“, sagt Jutta Schöning. Auch zur Historie Trutzhains lassen sich Bezüge herstellen: Der Ort entstand in der Nachkriegszeit dort, wo ehemals das Kriegsgefangenenlager Stalag IX A war. Auch dort hielten hohe Zäune Menschen gefangen.

Die Küsterin versteht die Aktion als Einladung, in die Kirche zu kommen und seinen Hoffnungen Ausdruck zu verleihen. Anstatt Kerzen anzuzünden, steckt man kleine Wunschzettel in die Mauer. Das seitlich angebrachte Gedicht erklärt die Symbolik der Mauer. In dem Gedicht geht es um Kassiber, das sind Zettel, die von Gefangenen an Mitgefangene geschrieben wurden und einen Fluchtplan enthalten.

Am Ende soll die Hoffnung siegen: Bis Ostern löst die Küsterin Steine aus der Mauer und schmückt den Stacheldraht mit Blumen. Die Sonne darf als Ostersymbol nicht fehlen. Deswegen platziert sie eine Lampe hinter der Mauer, deren Lichtstrahlen die Steine durchbrechen.

Von Sascha Weigel

Quelle: HNA

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