Eine Nacht in der Uckermark: Leipziger Buchpreisträger Sasa Stanisic las in Breuna

Gab Einblicke in die Stunden vor dem Fest: Sasa Stanisic las in der Kulturscheune Breuna aus dem gleichnamigen Buch. Foto: 

Breuna. Die Kulturscheune Breuna war gut gefüllt, als Elke Müldner von der Buchhandlung Mander in Wolfhagen den Autor Sasa Stanisic mit dem preisgekrönten Buch „Vor dem Fest" ankündigte. Der 36-Jährige aus Bosnien, der als 14-Jähriger mit seinen Eltern nach Deutschland flüchtete, hatte mit seiner unkomplizierten, sympathischen Art das Publikum sofort im Griff.

„Das Buch ist ein Sammelsurium von verschiedenen Geschichten, sozusagen die Chronik des fiktiven Dorfes Fürstenfelde in der Uckermark“, erklärte der Autor. Es wird nicht chronologisch erzählt, sondern auf verschiedenen Zeitebenen und in verschiedenen Genres. Die Handlung spielt in den 24 Stunden vor und während des Annenfestes.

Mit dem Märchen vom Kesselflicker, das Stanisic in zwei Versionen sozusagen in den Mittelpunkt des Buches stellt, begann die Lesung. In seinem unvergleichbaren Akzent stellte er anschließend einige der Protagonisten seines Buches vor: einen toten Fährmann, einen ehemaligen, lebensmüden NVA-Mann, Dittsche“, einen früheren Stasi-Spitzel, eine 90jährige Malerin, einen Glöckner, einen Pfarrer und Diebe. Und da ist noch Ulis Garage, wo sich die Männer zum Trinken und Raufen treffen.

„Vor dem Fest“ ist im Luchterhand Verlag erschienden und kostet in der gebundenen Ausgabe 19,99 Euro 

Sasa Stanisic machte die Lesung offensichtlich Spaß, was er immer wieder betonte und erheiterte die 80 Besucher mit seinem lakonischen, schlichten, pointierten Humor. „Kippe oder Kopfschuss“, überlegt Herr Schramm, der NVA Mann. Als Kapitalismuskritik möchte der Autor den Satz „Der Fährmann ist tot, es lebe der Bootsverleih“ verstanden haben. Auch die Poetik kommt nicht zu kurz: „… wo der See die Landstraße zärtlich küsste.“

Auf die anschließende Frage aus dem Publikum, warum er die Uckermark und nicht Bosnien gewählt habe, erzählte Stanisic, er habe dies eigentlich zuerst vorgehabt. Er sammelte ursprünglich Geschichten aus seinem Heimatort Visegrad in Bosnien, vor allem von seiner Großmutter. Dann kam er auf die Idee, dass es einen solchen Ort auch in Deutschland geben müsste und entdeckte Fürstenwerder in der Uckermark. Obwohl beide Dörfer aus unterschiedlichen Kulturkreisen beständen, gäbe es viele Parallelen.

Das Buch handelte von Heimat, von Veränderung und auch Stagnation, egal ob Bosnien oder Deutschland, erklärte der Autor zum Schluss der gelungenen Lesung. Das Publikum war definitiv begeistert und spendete anhaltenden Applaus. Eine der Besucherinnen brachte es auf den Punkt. „Das war toll“, sagte sie.

Von Ursula Neubauer

Quelle: HNA

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