Zu Fuß von Ulm nach Bremerhaven: Rommershäuserin bot Schwangerer Nachtlager

Eine Reise zu sich selbst

Erinnerungsfoto: Brigitte Blumenauer (links) und Cornelia Vollmerhausen haben einen unvergesslichen Abend mit ihrem Gast erlebt. Foto: Rose

Rommershausen. Nur für ein paar Stunden blieb Loubna Dardane Laederich in der Schwalm. Doch diese Stunden werden Brigitte Blumenauer und Cornelia Vollmerhausen aus Rommershausen nie vergessen. Die junge Frau aus Quito in Ecuador, die seit eineinhalb Jahren in Deutschland lebt, ist zu Fuß von Ulm nach Bremerhaven unterwegs. Und im siebten Monat schwanger. Brigitte Blumenauer nahm Loubna spontan für eine Nacht bei sich zuhause auf.

Gut eine Woche ist das her: Die Rommershäuserin war mit ihrem Rad in der Treysaer Oberstadt unterwegs als die junge Frau freundlich nach dem Weg zum nächsten Gasthaus fragte. Die Blumenauers waren tags zuvor aus dem Urlaub heimgekehrt.

„Diese junge, starke Frau hat mich fasziniert und inspiriert.“

Cornelia Vollmerhausen

„Ich hab ihr den Weg nach Allendorf gezeigt. Mir dann aber Sorgen gemacht, ob sie das mit dem dicken Bauch und dem Rucksack bis zum Abend schafft – es war ja schon später Nachmittag“, erzählt die 66-Jährige. Kurzerhand lud die Rommershäuserin die junge Ecuadorianerin zu sich ein. „Ich bin zurück geradelt, hab das Auto geholt und sie eingesammelt“, sagt Blumenauer. Auf dem Weg begegnete sie Nachbarin Cornelia Vollmerhausen, 51. „Ich erzählte, dass wir grad erst aus dem Urlaub zurück seien und nichts für einen Gast im Kühlschrank hätten“, erinnert sich die Rentnerin. Cornelia Vollmerhausen antwortete spontan: „Die kriegen wir schon satt.“ Beim gemeinsamen Essen kam man schnell ins Gespräch: „Loubna sprach deutsch, die Nachbarin außerdem spanisch“, erzählt Blumenauer.

Loubna Dardane Laederich lebt mit ihrem Mann, einem Franzosen, in Ulm. Über ihre Pilgerreise von Süden nach Norden will sie ein Buch schreiben. „Sie hat immer wieder betont, wie wichtig es ihr ist, ihren Weg zu gehen“, erzählt Vollmerhausen. Bis zur Geburt wolle sie schließlich nicht untätig herumsitzen. „Sie hat ihre Schwangerschaft als etwas natürliches gesehen“, erklären die beiden Frauen. Unterwegs war Loubna mit wenig Gepäck. „Ihr Mann reiste ihr jede Woche mit dem Zug hinterher, brachte frische Wäsche, nahm die schmutzige und die Manuskripte mit“, sagt die 66-Jährige. Nach der Nacht in Rommershausen ging Loubna wieder ihres Weges: In vier Wochen will sie in Bremerhaven sein.

Offene und herzliche Art

Einen völlig fremden Menschen bei sich aufzunehmen, darüber hat sich Brigitte Blumenauer nicht einen Moment lang Gedanken gemacht. „Loubna war einfach so offen und herzlich – das war eine unvergessliche Begegnung für mich“, sagt sie. Für Cornelia Vollmerhausen steht fest: „Diese junge, starke Frau hat mich fasziniert und inspiriert.“ Die Frauen wollen weiterhin in Kontakt bleiben, haben Telefonnummern und die Emailadressen ausgetauscht.

Aus der Schwalm nimmt die Reisende nicht nur Erinnerungen, sondern auch ein Paar Babysöckchen mit. Die soll Söhnchen Lukas tragen. Vielleicht wandert auch er zwischen den Kulturen – so selbstverständlich wie seine Mama.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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