Aus kleinen Anfängen begann 1983 eine neue Erinnerungskultur in Trutzhain

Eine schwierige Geschichte

Nach der Diskussion: Pfarrer Dierk Glitzenhirn (Geschäftsführer des Evangelischen Forums Schwalm-Eder), Corinna Wagner aus München und Karin Brandes, Leiterin Gedenkstätte und Museum Trutzhain. Foto: privat

Trutzhain. In einem Vortrag in der Gedenkstätte Trutzhain befasste sich die Historikerin Corinna Wagner (München) mit der Frage, inwieweit die vielfältigen Nutzungen des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Trutzhain die Erinnerung an die Verbrechen in der Zeit des Nationalsozialismus erschwerten.

Zu Kriegsbeginn 1939 errichtet, existierte in Trutzhain auf den Weiden der alten Schafdomäne Ziegenhain das Kriegsgefangenenlager STALAG IX A. Nach der Befreiung 1945 wurde es auf vierfache Weise weiter genutzt: als Gefängnis für Nazi-Funktionäre, zur Unterbringung von „Displaced Persons“ – durch Verfolgung der Nationalsozialisten heimatlos gewordene Menschen, die meist auf ihre Ausreise warteten – und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Die Gründung der Gemeinde Trutzhain schloss sich 1951 an.

Corinna Wagner entwickelte die These, dass die wirtschaftliche Betriebsamkeit der fünfziger Jahre und eine allgemeine Vergangenheitsverdrängung in Deutschland dazu beigetragen hätten, die Geschichte vor der Ansiedlung der Heimatvertriebenen und der Gemeindegründung zu vergessen, „Zweckmäßigkeit überlagerte die Erinnerung“.

Erst die freundschaftliche Beziehung des Trutzhainers Horst Munk zu französischen Veteranenvereinen führte 1983 zur Eröffnung eines kleinen Museums. 1986 habe dann ein erster Friedensmarsch vom Bahnhof Ziegenhain zum Lagergelände auf die Verbrechen der Nazi-Zeit und die unmenschlichen Bedingungen besonders im „Russenlager“ hingewiesen, 2003 folgte die Gründung der Gedenkstätte und des heutigen Museums. (aqu)

Quelle: HNA

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