Gedenkfeier zur Pogromnacht

Eine Tafel an der Wand erinnert an das Schicksal der Familie Hiersteiner

Kleines Mahnmal: Bürgermeister Reinhard Schaake (links) und Stadtverordnetenvorsteher Burkhard Finke enthüllten die Gedenktafel für die Familie Hiersteiner. Fotos:  Michl

Wolfhagen. „Wir dürfen nicht vergessen.“ Mit diesem Appell erinnerten Schüler der Wolfhager Wilhelm-Filchner-Schule (WFS) während der Gedenkfeier zur Pogromnacht  an die schrecklichen Gewalttaten gegen Juden in Deutschland und vor allem in Wolfhagen.

Unter Leitung ihres Lehrers Marcus von der Straten hatten sich die Schüler im Vorfeld der Gedenkfeier mit Unterstützung von Ernst Klein vom Verein „Rückblende – Gegen das Vergessen“ aus Volkmarsen auf Spurensuche zu den historischen Ereignissen der Judenverfolgung in Wolfhagen während der Nazi-Zeit begeben und dabei das Schicksal der Familie Hiersteiner in den Mittelpunkt ihrer Arbeit gerückt.

In Momentaufnahmen skizzierten die Schüler während der Gedenkfeier im Kulturladen und auch bei der Enthüllung einer Gedenktafel durch Bürgermeister Reinhard Schaake (parteilos) und Stadtverordnetenvorsteher Burkhard Finke am einstigen Geschäftshaus der Hiersteiners an der Schützeberger Straße 32 das Schicksal der Familie.

An der Schützeberger Straße betrieb Hermann Hiersteiner einen Textilladen, der am 27. Mai 1939 auf Anordnung der Nationalsozialisten geschlossen wurde. Der Leidensweg der Familie hatte jedoch schon früher begonnen. Denn während des Novemberpogroms 1938 war versucht worden, das Wohnhaus der Familie in der Wolfhager Gerichtsstraße, dort war bis 1934 auch die jüdische Schule untergebracht, in Brand zu setzen. Dies scheiterte jedoch.

Fast zeitgleich, am 11. November 1938, war Hermann Hiersteiner ins Konzentrationslager Buchenwald verschleppt worden. Von dort wurde er am 10. Dezember 1938 als Häftling mit der Nummer 25 821 nach Wolfhagen entlassen und erhielt wenige Tage später seine neue Kennkarte mit dem zwangsweise zu führenden Vornamen Israel.

Über das weitere Schicksal der Familienmitglieder ist nicht viel bekannt. Nur soviel, dass sie zwangsweise enteignet wurden und ihre Namen auf den Transportlisten der ersten großen Deportation von Kassel ins Ghetto Riga am 9. Dezember 1941 aufgeführt waren. Protokolliert ist in den Akten der Ghettoverwaltung der 24. August 1943 als Sterbedatum von Hermanns Frau Rosa. An diesem Tag wurde zudem das letzte Lebenszeichen der 14-jährigen Tochter Ursel festgehalten.

Eine weitere Station der Gedenkfeier war der einstige Standort der Synagoge an der Mittelstraße, wo Dekan Dr. Gernot Gerlach an die Judenverfolgung in Wolfhagen erinnerte. Musikalisch mitgestaltet wurde die Gedenkfeier vom Schulorchester „Brassemble“ und vom Wolfhager Posaunenchor.

Quelle: HNA

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