53-Jähriger hatte sterben wollen

Interview zum Ostheimer Brand: „Eine Tragödie“

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Jetzt müssen die Statiker ran: Das Haus in der Ostheimer Blumenstraße wurde beim Brand am Samstag schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Malsfeld. 90 Feuerwehrleute waren am Samstag ausgerückt, um den Brand zu löschen, den ein 53-Jähriger aus Ostheim vermutlich in selbstmörderischer Absicht gelegt hatte. Wir sprachen mit Malsfelds Gemeindebrandinspektor Oliver Garde und mit Kreisbrandmeister Frank Jacob.

Das war kein Einsatz wie jeder andere, oder?

Oliver Garde: Ja, in der Tat. Der komplette Einsatz war außergewöhnlich. Wir hatten ja bei der Alarmierung noch keine Ahnung, was da auf uns zukommen würde.

Frank Jacob: Stimmt. Das hat es bei uns noch nicht gegeben, dass jemand sein Haus anzündet und in den Flammen ums Leben kommen will.

Der Bewohner hatte Benzin als Brandbeschleuniger vergossen. Was hat das für Ihre Arbeit bedeutet?

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Oliver Garde: Das bedeutet vor allem, dass uns das vergossene Benzin die Arbeit ungeheuer erschwert hat: Wir hatten es ja mit einer akuten Explosionsgefahr zu tun. Solange wir nicht sicher sein konnten, dass sich das Gas-Dampf-Luft-Gemisch nicht entzündet, konnten wir auch keine Feuerwehrleute ins Haus schicken.

Aber es waren doch Atemschutzträger drin.

Frank Jacob: Ja, aber erst nachdem wir die Fensterscheiben eingeschlagen hatten und zusätzlich mit einem Druckbelüfter für so viel Frischluft gesorgt hatten, dass das gefährliche Gemisch nicht explodieren konnte. Erst, als die Eon den Strom in dem Gebäude abgestellt hatte, erst dann gingen unsere Leute rein. Außerdem hat der Umweltdienst permanent Messungen vorgenommen.

Die größte Herausforderung war es also, das Risiko abzuschätzen?

Oliver Garde: Genau. Denn als Gemeindebrandinspektor habe ich die Verantwortung für meine Leute. In erster Linie müssen wir immer schauen, dass wir alle wieder heil aus einem Einsatz herausbekommen - gerade in diesem Fall, wo das Gefahrenpotenzial besonders groß war. Wir schicken keine Feuerwehrleute in ein Haus, in dem es jeden Moment zur Explosion kommen kann.

Wieso hat der Einsatz so lange gedauert? Es schlugen doch keine meterhohen Flammen aus dem Gebäude.

Frank Jacob: Den Brand im Erdgeschoss hatte die Feuerwehr Ostheim ja schnell unter Kontrolle bekommen. Wir hatten große Sorge, dass der Dachstuhl durch den Hitze-stau brennen könnte. Das kennt man von Heu: Wenn das feucht gelagert wird, kann solche Wärme entstehen, dass es sich selbst entzündet.

Mal abgesehen von der technischen Seite. Hinter diesem Einsatz steckt auch eine menschliche Geschichte. Berührt die Sie?

Oliver Garde: Ja, natürlich. Was muss in einem Menschen vorgehen, dass er das tut? Das ist schockierend - und lässt mich ganz bestimmt nicht kalt.

Frank Jacob: Auch wenn man als Feuerwehrmann erst mal ganz normal seine Arbeit macht, das geht an niemandem spurlos vorbei, ganz gleich, wie groß die Einsatzerfahrung ist. Das schüttelt man nicht so einfach ab.

Mit welchem Gefühl sind Sie denn nach getaner Arbeit vom Brandort weggefahren?

Oliver Garde: Mit einer großen Erleichterung, dass keiner meiner Leute zu Schaden gekommen ist. Und dass der Mann überlebt hat. Der Sachschaden ist immer irgendwie bezahlbar. Aber das Schicksal, das hinter solchen Fällen wie diesem steht, das bleibt.

Frank Jacob: Mit sehr gemischten Gefühlen. Hinter jedem Schaden steckt eine Ursache: Hier ist es eine Tragödie.

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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