Pomologe sucht verschwundene Obstsorte

Einem vergessenen Apfel in Felsberg auf der Spur

Bald sind sie reif: In Holger Gießlers Garten in Felsberg stehen etwa 15 Apfelbäume – viele tragen alte Sorten, die es in keinem Supermarkt gibt. Foto: Féaux de Lacroix

Felsberg. Der Pomologe Holger Gießler sucht eine verschwundene alte Obstsorte, die früher in Felsberg angebaut wurde. Jetzt hofft er auf Hilfe aus der Bevölkerung.

Holger Gießlers Neugier war sofort geweckt, als er in einem Buch auf „Hupfelds Süßapfel“ stieß, der früher offenbar in Felsberg angebaut wurde. Von dieser Apfelsorte hatte Gießler vorher noch nie gehört - und das will etwas heißen, denn der Felsberger ist Pomologe, also Apfelexperte und kennt Sorten, die es in keinem Supermarkt gibt.

Gießler begab sich auf Spurensuche. „Ich habe den Buchautor kontaktiert - aber der konnte mir leider nicht mehr sagen, wo er auf die Informationen über Hupfelds Süßapfel gestoßen ist.“ Im Internet entdeckte Gießler eine Sortenempfehlungsliste des LLH (Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen), in der Hupfelds Süßapfel erwähnt war. Auch auf der Internetseite des Gartenbauvereins Dillingen findet sich ein Hinweis auf diese Apfelsorte.

So gelangte Gießler auch an Fotos von Hupfelds Süßapfel. Aber dann verlor sich die Spur: Weder der LLH noch der Gartenbauverein Dillingen konnten Auskunft darüber geben, wo heute noch Bäume mit Hupfelds Süßapfel zu finden sind.

Kontakt: 

Wer weiß, wo ein Baum mit Hupfelds Süßapfel steht, kann sich an Holger Gießler wenden: Tel. 05662/6606, E-Mail: h-giessler@t-online.de. Sollte die Suchaktion erfolgreich sein, werden wir in der HNA darüber berichten. Wer ihm als erster fünf reife Hupfelds Süßäpfel bringen könne, der bekomme ein Geschenk, verspricht Gießler.

Damit aber will sich Gießler nicht abfinden. Er hofft, dass irgendwo auf einer nordhessischen Wiese Hupfelds Süßapfel wächst - und dass er über einen Aufruf in der HNA diese alte Apfelsorte wiederfinden kann.

„Mein Ziel ist, Hupfelds Süßapfel wieder hier in Felsberg anzupflanzen“, sagt der 54-Jährige. Dazu bräuchte er aber eben einen Baum, von dem er einen Ableger nehmen könnte.

Gießler ist es wichtig, alte Apfelsorten zu erhalten, denn diese verschwinden zusehends. „Das Sortiment im Supermarkt ist stark verengt“, erklärt der Pomologe, „dort findet man meist Äpfel, die von gerade mal fünf verschiedenen Sorten abstammen, die immer wieder untereinander gekreuzt werden.“ Dadurch seien diese Supermarkt-Sorten, etwa der Golden Delicicous, jedoch sehr krankheitsanfällig. Im eigenen Garten könne man diese nur anbauen, wenn man viel Pestizide einsetze. „Da ist es sinnvoller, auf alte, robuste Sorten zurückzugreifen.“ Er selbst kaufe Äpfel nur noch in Ausnahmefällen im Supermarkt.

In Gießlers Garten in Felsberg stehen 25 Obstbäume, davon allein etwa 15 Apfelbäume. Sie tragen Sorten mit klangvollen Namen wie Luxemburger Triumph, Goldreinette von Blenheim und Zeller Dickstiehl. Hupfelds Süßapfel würde sich in dieser Sammlung gut machen.

Eine präzise Beschreibung von dem gesuchten Apfel kann Gießler allerdings nicht geben: „Für eine Sortenbestimmung bräuchte ich fünf ausgereifte Äpfel.“

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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