Verfahren gegen Zahlung von 10.000 Euro eingestellt

Tod eines 20-jährigen Motorradfahrers aus Ehlen bleibt ungesühnt

Zierenberg. Der tragische Tod eines 20-jährigen Motorradfahrers aus Ehlen bleibt strafrechtlich ungesühnt: Das Verfahren vor dem Kasseler Amtsgericht wurde am Dienstag eingestellt.

Ein 52-jähriger Mann aus dem niedersächsischen Hademstorf, der sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten musste, muss 10.000 Euro an die Mutter des Opfers zahlen.

Mit Rücksicht auf die Gefühle der Mutter hatten sich Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenklage auf dieses Vorgehen und eine schnelle Beendigung des Prozesses geeinigt. Richter Winter folgte dem Vorschlag, die Befriedung im Leben aller Beteiligten habe für das Gericht Vorrang, sagte er.

Der Angeklagte hatte geschildert, wie es zu dem tödlichen Unfall am 29. Juli vergangenen Jahres gekommen sei. Nach dem Golfspielen war er danach gegen 21.10 Uhr bei einsetzender Dämmerung mit seinem 220 PS starken Audi A5 auf der Landesstraße von Zierenberg nach Habichtswald unterwegs. Vor ihm fuhr ein VW mit etwa 65 bis 70 km/h. Als er eine Kuppe überfuhr und glaubte, freie Sicht zu haben, habe er zum Überholen angesetzt, als plötzlich der Motorradfahrer aus einer Straßensenke, die er zuvor nicht bemerkt hatte, aufgetaucht sei.

„Ich habe das Licht gesehen, eine Vollbremsung begonnen - da hat es auch schon geknallt“, sagte der spürbar erschütterte Mann.

Die Suzuki des 20-Jährigen und der Audi prallten frontal zusammen, der junge Mann starb noch an der Unfallstelle. Er denke jede Nacht an diesen Moment, sagte der Angeklagte, und: „Ich kann mir nicht erklären, wo der Motorradfahrer herkam.“ Für seinen Mandanten führte Verteidiger Dr. Bernd Stein dessen absolute Unbescholtenheit sowohl straf- als auch verkehrsrechtlich ins Feld. Der Außendienst-Mitarbeiter sei mit einer jährlichen Fahrleistung von bis zu 40.000 Kilometer ein routinierter und umsichtiger Autofahrer.

Verkehrsgutachter Hagelstein lieferte vor dem Amtsgericht die nüchternen Zahlen zu dem schrecklichen Geschehen im Juli 2015: Beim Zusammenprall fuhr der Pkw etwa 61 km/h, das Krad zwischen 31 und 37 km/h. Bei konzentrierter Fahrt sei die Senke durchaus zu erkennen, bei Abgelenktheit des Fahrers eher nicht.

Die freie Sicht betrage 140 bis 145 Meter, für einen wirklich risikofreien Überholvorgang wären 292 Meter nötig gewesen. Nach dem Ausscheren blieben dem Autofahrer bis zum Zusammenprall mit dem Krad drei bis dreieinhalb Sekunden. „Eine Kollision war da nicht mehr vermeidbar.“

In dem Verfahren hatte ein Polizeibeamter als Zeuge ausgesagt, dass die Senke tatsächlich von einem bestimmten Punkt der Landesstraße aus nicht zu erkennen sei.

Für den Anwalt der Mutter, die als Nebenklägerin auftrat, ändert das nichts daran, dass der 52-Jährige an dieser unübersichtlichen Stelle niemals zum Überholen hätte ansetzten dürfen, mit dem Vorwurf der fahrlässigen Tötung müsse er leben. Gleichwohl würde die Mutter ein längeres Verfahren seelisch nicht durchstehen, weshalb sie und auch Oberamtsanwältin Walter mit einer Einstellung des Verfahrens einverstanden waren.

Am Rande der Verhandlung setzte sich Rechtsanwalt Dr. Bernd Stein gegenüber der HNA dafür ein, diese gefährlich Stelle der Landesstraße durch ein Überholverbot zu entschärfen, um weiteren Unfällen vorzubeugen. „Mit einer solchen Regelung wäre der Unfall nicht passiert.“

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Quelle: HNA

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