Hundeführer mit Retrievern

Englische Jagdprüfung in Lischeid

Gilserberg. Die Vögel zwitschern, es duftet nach frischem Grün, leise streift der Wind durch die Wipfel: Kaum ein Laut verriet am Sonntag die knapp 40 Menschen und 21 Retriever, die sich an der Haingrundsmühle in Lischeid getroffen hatten.

Denn entgegen gängiger Klischees, ein Hund müsse kläffen, taten das diese ruhigen Geschöpfe samt Hundeführer aus ganz Deutschland und Holland nicht. Und doch war sie da, diese erwartungsvolle Spannung, die Tiere und Menschen einte:

Denn auf dem Trainingsplan stand ein so genanntes Field Trial – eine aus England stammende Jagdprüfung. Das Verständigungsprinzip läuft dabei überwiegend über Handzeichen – und ist quasi lautlos. Das muss es auch sein. Denn in Großbritannien werden diese Prüfungen am lebenden Wild abgelegt.

„In Deutschland ist das jedoch keine Praxis“, erklärte die erfahrene Tierärztin Dr. Helena Niehof-Oellers. Organisiert wurde der Tag von den beiden Züchterinnen und Trainerinnen Rosemarie Ilg und Roswitha Schoberth aus Gilserberg. Jagdpächter Günter Köneke stellte das entsprechende Gelände zur Verfügung. „Ich habe selbst Jagdhunde und bin fasziniert von diesem Training. Besonders toll ist es, wie sich die Ruhe der Hundeführer auf das Tier überträgt“, sagte er.

Retriever wurden einst zur Jagd gezüchtet. In den vergangenen 40 Jahren habe sich jedoch einiges geändert, erläuterte die Tierärztin: „Die Ansprüche an die Hunde in den Prüfungen sind enorm gestiegen. Das trägt dazu bei, dass mancher die Arbeit mit dem Hund übertreibt. Es ist zwar positiv, dass Menschen heute eher bereit sind, Hunde auszubilden.

Es gibt jedoch viele Trainer ohne qualifizierte Ausbildung.“ Bei der Ausbildung gelte es stets zu berücksichtigen, dass Jagdhunde gezüchtet würden. Die langjährige Zucht auf die jagdlichen Eigenschaften befähigten den Labrador, heute auch in vielen anderen Gebieten tätig zu werden.

„Auch wenn wir von unseren Hunden einen sehr guten Gehorsam verlangen, so erwarte ich von einem Jagdhund in bestimmten Situationen Selbstständigkeit. Und die sollte auf keinen Fall abtrainiert werden“, sagte Niehof-Oellers. Wenn wir mit unseren Hunden zusammenlebten ohne sie zu vermenschlichen und ihnen Regeln gäben, könnten wir sie täglich fordern ohne sie zu überfordern.

Beim Field Trial in Lischeid boten Hundeführer und Retriever einen eindrucksvollen Einblick in ihre Arbeit: Ruhig und konzentriert schickten die Menschen die Tiere auf Suche nach Attrappen. Um die Jagd authentisch zu simulieren, ging dem ein Schuss voraus. Mittels Handzeichen sausten die Retriever los. Pfeifsignale zeigten das Suchen mit der Nase oder im Stehen an.

Englische Jagdprüfung für Retriever und Hundeführer in Lischeid

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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