Einig im Protest gegen Südlink: Auch im Kreistag viel Kritik an Stromtrasse

Protest gegen die Stromtrasse Südlink vor der Kreistagssitzung in Melsungen: Bürgerinitiativen aus Homberg, Knüllwald, Edermünde, Fritzlar, Bad Emstal, Neuenstein und aus dem Rinnetal waren vertreten. Foto: Rohde

Schwalm-Eder. Mit Transparenten protestierten die Gegner der geplanten Stromtrasse Südlink am Montag vor dem Sitzungssaal des Kreistages in der Melsunger Kulturfabrik. Überzeugungsarbeit mussten sie bei den Kreistagsabgeordneten aber eigentlich gar nicht mehr leisten.

Das Parlament verabschiedete einstimmig einen Antrag von SPD und FWG, in dem unter anderem mehr Transparenz und eine stärkere Einflussnahme auf die Pläne durch das Land Hessen gefordert wird.

„Die Trasse ist schlampig und falsch geplant. Dass sie auf Widerstand stößt, ist verständlich“, erklärte Dr. Edgar Franke (SPD). Zur Wohnbebauung müssten größere Abstände eingehalten werden, die Masten seien zu hoch dimensioniert. Grundsätzlich sei aber ein Stromtransport von Nord nach Süd erforderlich, damit die Energiewende gelingen könne.

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Die Menschen fürchteten zu Recht Gesundheitsgefahren und Auswirkungen auf ihre Lebensqualität, meinte auch Lothar Kothe (FWG). Die Firma Tennet habe sich offenbar bereits auf die Trasse durch den Landkreis festgelegt, und es gebe kaum rechtliche Einspruchsmöglichkeiten. So werde die Energiewende an Akzeptanz verlieren, meinte Kothe.

Die Pläne stammten noch aus der Zeit der schwarz-gelben Bundesregierung. Sie zielten vor allem darauf ab, die wirtschaftlichen Interessen der großen Energieversorger zu berücksichtigen, sagte Johannes Biskamp (Die Grünen). Der Mitte-West-Korridor sei die kürzeste und damit wirtschaftlichste Trasse. Sie solle nun in hohem Tempo durchgepeitscht werden.

Die vier großen Stromkonzerne in Deutschland bestimmten, wie die Energiewende auszusehen habe, meinte Jochen Böhme (Die Linke). „Sie können ihre Stromtrasse planen, wie es ihnen passt, und die Bürger haben nichts zu sagen. Das ist ein Skandal“, sagte er.

Es sei völlig richtig, dass die Region ihre Stimme erhebe, meinte auch Reinhard Otto (CDU). „Wir wollen schon wissen, warum es ausgerechnet diese Trasse sein soll“, sagte er. Dass ein Ausbau der Netze notwendig ist, steht für Otto außer Frage. Eine Klage gegen die Pläne ist aus Sicht Ottos erst möglich, wenn es um die Veränderungssperren gehe. Auch die Regionalversammlung sollte sich äußern regte Otto an.

Die Abstände zu den Ortschaften seien viel zu gering, die Informationspolitik der Firma Tennet schlecht, fasste Nils Weigand (FDP) zusammen.

Am weitesten in seiner Kritik ging Helmut Wettlaufer (SPD). Die Trasse sei überflüssig. Bei derEnergiewende solle man vielmehr auf dezentrale Lösungen setzen.

„Es findet keine Vertrauenbildung statt. Dass Misstrauen besteht zu Recht“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Winfried Becker. EinVerfahren bei dem der spätere Netzbetreiber auch die Planung macht, sei fragwürdig.

Von Heinz Rohde

Quelle: HNA

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