Einigen stinkt die Gebühr

Ellenberger zahlen mehr fürs Abwasser als alle anderen Guxhagener Einwohner

Grüne Oase: Die Ellenberger Teichkläranlage mit Schilf.

Guxhagen. Die Ellenberger zahlen für ihr Schmutzwasser pro Kubikmeter 88 Cent mehr als die Einwohner in den übrigen Guxhagener Ortsteilen. Das empfinden etliche Ellenberger als ungerecht.

Auch die Informationspolitik der Gemeinde sei in der Sache nicht zufriedenstellend, erklärte Dieter Griesel gegenüber unserer Zeitung. Nach Angaben der Gemeindeverwaltung kommen in Ellenberg pro Einwohner im Schnitt 37 Kubikmeter Abwasser pro Jahr zusammen. Dafür zahlen sie gut 32 Euro mehr, als beispielsweise ein Einwohner im Nachbardorf Büchenwerra für die gleiche Menge zahlt. Das kommt ungefähr hin, sagt Erika Göbel mit Blick auf ihre Abwasserkosten.

Die Ellenbergerin hat auf ihrem Grundstück wie alle im Dorf eine Grube. Das sich dort ständig ansammelnde dickflüssige Schmutzwasser pumpt ein Saugwagen einmal im Jahr ab und fährt es nach Grifte zur Verbandskläranlage. Dünnflüssige Abwässer fließen aus den Haushalten direkt zur Ellenberger Teichkläranlage. Sie arbeitet mit Schilf und wurde vor Jahrzehnten zusammen mit der Universität Kassel konzipiert.

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Die unterschiedlichen Gebührensätze fürs Abwasser sind Thema bei der nächsten Sitzung des Guxhagener Parlaments. Für die öffentliche Sitzung hat Gemeindevertreter Martin Graefe (CDU) einen Antrag eingebracht. Ein Ziel dabei ist es, den Gemeindevorstand mit der Ausarbeitung eines einheitlichen Gebührensatzungsentwurfs im Abwasserbereich zu beauftragen. Das Parlament tagt am kommenden Donnerstag, 9. Oktober, ab 19 Uhr im Rathaus.

Warum werden wir zur Kasse gebeten? Diese Frage von Dieter Griesel beantwortet die Verwaltung so: Die Rechtssprechung habe die Gemeinde zunächst gezwungen, eine gesplittete Abwassergebühr einzuführen, die Schmutzwasser aus den Haushalten als auch Niederschlagswasser etwa von versiegelten Grundstücksflächen angemessen berücksichtige. Dabei müsse die neue Gebühr die Kosten für die Reinigung der Abwässer decken. Das sei der Knackpunkt: Die Ellenberger hätten mit der Teichkläranlage im Dorf und den Gruben im Haus in Guxhagen eine Sondersituation, für die nach der Rechtssprechung auch die Gebühren gesondert kalkuliert werden müssten. Unterm Strich kämen dabei pro Kubikmeter 88 Cent mehr als in den übrigen Ortsteilen heraus, die ihr Kanalnetz und die Verbandskläranlage mit teils höheren Abwassermengen pro Kopf und einfach mehr Einwohnern günstiger finanzieren könnten.

Städte und Gemeinde subventionierten einst ihre Gebührenhaushalte, so dassUngerechtigkeiten wie in Guxhagen ausgeglichen wurden oder Wasser und Abwasser für die Haushalte einfach günstiger waren als sie tatsächlich kosteten. Eine solche politisch gestaltete Gebühr sei aber rechtlich nicht mehr möglich, erklärte Bürgermeister Edgar Slawik. Gerechtigkeit könnten nur gleiche Anlagen schaffen. Das hieße für Ellenberg: für wenigstens 1,2 Millionen Euro ein Kanalnetz nach Ellenberg zu legen und die Abwässer nach Grifte zu pumpen. Dann aber, so der Verwaltungschef, stiegen die Gebühren schätzungsweise für alle Guxhagener und am Ende auch für die Ellenberger noch einmal an.

Von Lorenz Grugel

Quelle: HNA

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