Bauernverband informierte vor Erntedankfest

Einkommenssituation der Landwirte: Dankbar für höhere Preise

Vorbereitung für das Landeserntedankfest: Heide Brand, Elli Schölzel, Elfriede Weymann und Brunhilde Eisenbeiß (von links) vom Wolfhager Landfrauenverein beim Binden der Erntekrone. Foto:  Michl/nh

Wolfhagen. Zum Erntedank geht der Hessische Bauernverband alljährlich auf Reisen. In diesem Jahr wird das Landeserntedankfest am Sonntag, 21. Oktober, in Wolfhagen ausgerichtet.

Im Vorfeld der Feier stellte der Generalsekretär des Hessischen Bauernverbandes, Peter Voss-Fels, in Wolfhagen die Erntebilanz vor und ging auf die aktuelle Situation in der Landwirtschaft ein. „So schlecht wie nie“ sei die Getreideernte ausgefallen, sagte Voss-Fels. Die miese Witterung im Februar und späte Fröste seien dafür verantwortlich. „Über 100.000 Hektar sind den Bauern in Hessen kaputt gegangen“, so der Generalsekretär. Vor allem den Weizen habe es getroffen. Man habe Sommergetreide nachgesät.

Auch wenn dann beim Sommergetreide ein „Super-Ertrag“ verzeichnet worden sei, habe man damit die Ausfälle beim Wintergetreide nicht ausgleichen können. Unterm Strich habe man bei einer Gesamterntemenge von 1,7 Millionen Tonnen in Hessen 15 Prozent unter dem Vorjahresergebnis gelegen und 19 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt.

Formel für den Erfolg

Menge mal Preis sei in der Landwirtschaft die Formel für den Erfolg. Da die Preise gestiegen seien, komme man auf einen höheren Markterlös als im vergangenen Jahr. Der Backweizenpreis, erläuterte Peter Voss-Fels, liege mit aktuell 231 Euro je Tonne rund 50 Euro über dem Erzeugerpreis des Vorjahres. „Damit liegen wir aber immer noch deutlich unter den Preisen, die unsere Bauern zu Beginn der 80er-Jahre erzielt haben“, betonte Peter Voss-Fels. Höhere Preise für Brot und Brötchen ließen sich damit allerdings nicht begründen. Der Wertanteil von Getreide in einem Brötchen liege bei etwa 1,2 Cent.

Die Ernten von Mais und Rüben seien noch nicht ganz abgeschlossen, man erwarte allerdings gute Ergebnisse, bei den Rüben einen überdurchschnittlichen Zuckergehalt von mehr als 18 Prozent.

Zum Thema Mais und Energiepflanzen erklärte Voss-Fels: „Für die hessischen Bauern hat die Nahrungsmittelproduktion Priorität.“ Allerdings sieht er im Bio-Energiebereich noch Potenzial. Im vergangenen Jahr seien rund 13 Prozent der hessischen Ackerflächen für den Energiepflanzenanbau genutzt worden. Bundesweit seien es etwa 17 Prozent.

Sinkende Einkommen

Die Unternehmensergebnisse in den hessischen landwirtschaftlichen Betrieben haben sich laut Voss-Fels im abgelaufenen Wirtschaftsjahr von 51.103 Euro auf 47.602 verschlechtert. Die Verluste treffe die Ackerbaubetriebe wie auch die Futterbaubetriebe, während das Ergebnis bei den den Mastbetrieben deutlich zugelegt habe: von 67.000 Euro auf 79.400 Euro.

Peter Voss-Fels

Auf den Flächenverlust ging während des Besuchs von Peter Voss-Fels in Wolfhagen der stellvertretende Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Kassel, Ernst-Winfried Döhne, ein. Der Landwirt aus dem Wolfhager Stadtteil Istha erklärte, dass allein im Zuständigkeitsbereich seines Verbandes in den vergangenen sieben Jahren 750 Hektar Land durch Projekte wie den Bau des Flughafens Kassel-Calden, Straßenbauprojekte und auch die Bauprojekte von SMA verlorengegangen seien.

„Wenn 18 Hektar mit Photovoltaik zugepflastert werden, kommen nochmal 18 Hektar an Ausgleichsflächen dazu“, so Döhne. Flächen, die der Landwirtschaft verloren gehen. Hier müsse ein Umdenken stattfinden, „der Ausgleich darf nicht nur über die Fläche stattfinden“.

„Wir haben hier einen sehr aktiven Berufsstand mit dem Maschinenring“, so Döhne. Das zeige sich daran, „dass wir in Nordhessen die meisten Biogasanlagen haben“. Gut 50 seien es im Landkreis, „Alle sind in Landwirtehand.“

Der Mann vom Kreisbauernverband machte deutlich, dass vor allem Milcherzeuger und Ferkelzuchtbetriebe angesichts der Preise „in einer schwierigen Situation“ befinden. Die Schere von Erzeugerpreisen und Verbraucherpreisen gehe weiter auseinander.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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