Karl Freitags Feuerwehrkarriere ist fast so alt wie die Wagenfurther Wehr selbst

Einsatz war Ehrensache

Nimmt Kappe und Rock nur noch selten aus dem Schrank: Karl Freitag ist seit 72 Jahren Feuerwehrmann. Die Löscheinsätze aber überlässt er mittlerweile den Jüngeren. Foto: Schleichert

Wagenfurth. Heulte die Sirene auf, ist Karl Freitag losgespurtet. „Das war früher Ehrensache“, sagt er. Nun, da der 88-Jährige aus Wagenfurth nicht mehr losspurten kann wie früher, blickt er zurück auf ungezählte Einsätze für die Feuerwehr. Seine Karriere als Feuerwehrmann ist fast so alt wie die seines Vereins: Die Wagenfurther Wehr wird am Wochenende 75.

Wenn Karl Freitag von seinem ersten Löscheinsatz erzählt, reist er 72 Jahre in seiner Erinnerung zurück, in die Zeit kurz vor dem Zweiten Weltkrieg. „Feuerlöschen war Aufgabe der Männer. Doch die sind fort in den Krieg gezogen“, sagt er.

Nicht ganz freiwillig trat der 16-Jährige zunächst der Wehr in seinem damaligen Heimatort Dissen bei. Holprig war die erste Einsatzfahrt, erinnert sich Freitag. Zwei Pferde zogen die Handspritzpumpe, die später vier Männer mit Muskelkraft antrieben. Über steinige Wege trabten die Tiere zum Feuer. „Und dann mussten wir pumpen und pumpen und pumpen.“ 1951 kam Freitag nach Wagenfurth – der Liebe wegen. Da wurde er, diesmal ganz freiwillig, Mitglied der Wagenfurther Wehr. „Die Feuerwehr gehört schließlich ins Dorf.“

„Ich habe nur meine Pflicht getan.“

Karl Freitag Feuerwehrmitglied

Die Zeiten, in denen die Wagenfurther mit Fuldawasser Flammen löschten, sind vorbei. Die zwei Zugpferde sind großen Fahrzeugen mit hunderten Pferdestärken gewichen. Die Geräte lagern in einem Feuerwehrhaus und nicht mehr, wie nach dem Krieg, in der Wagenfurther Kirche. „So viel hat sich getan“, seufzt Freitag. Doch er, er ist dem Verein im Wandel treu geblieben.

Viele Feuer hat er gelöscht. Kleine, große, schwelende und lodernde. Wie viele es waren, weiß er nicht genau. „Ich habe doch keine Statistik geführt.“ Heulten die Sirenen auf, begann ein neuer Lauf um Leben, Hab und Gut. „Ich habe trotzdem einen kühlen Kopf bewahrt“, sagt er.

Ein Schmunzeln huscht über die Lippen des 88-Jährigen. Er betrachtet die tiefblaue Feuerwehrkappe, die er aus dem Kleiderschrank befreit hat. Ein halbes Jahrhundert hat ihn die Kappe auf seinem Kopf begleitet. Als Feuerwehrmann, Wehrführer, Schriftführer und schließlich als Ehrenmitglied. Ein Held, nein, der ist er nicht. Karl Freitag winkt ab. Wer sein eigenes Haus vor loderndem Feuer geschützt wissen will, sagt der 88-Jährige, der muss auch andere schützen: „Ich habe nur meine Pflicht getan.“ Termin: Am Samstag und Sonntag, 11. und 12. Juni, feiert die Wagenfurther Wehr ihr 75-jähriges Bestehen. • Das Programm beginnt um 18 Uhr am Ortseingang, direkt hinter der Brücke. Der Verein eröffnet sein Fest mit der Übergabe eines neuen Fahrzeugs. • Ab 19.30 Uhr gibt die Gruppe Ahles Blech ein Platzkonzert. • Ein Frühschoppen steht am Sonntag ab 10.30 Uhr auf dem Programm des Feuerwehr-Jubiläums.

Von Pia Schleichert

Quelle: HNA

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