Brand im Schwalmgymnasium: Ursache noch unklar - Ruine wird abgetragen

Schwalmstadt. Bei dem Brand im Schwalmgymnasium wurde der Trakt mit sechs Biologie- und Physikräumen völlig zerstört. Die Brandruine soll noch am Wochenende abgetragen werden. Vorläufige Schadensschätzung: 2,5 Mio. Euro. Wegen der hohen Löschwasserentnahme kam es zu Wasserrohrbrüchen in Schwalmstadt.

Wichtige Information für Schüler und Lehrer:

Am Montag und Dienstag fällt der Unterricht aus.

Das Feuer, das um 13.30 Uhr gemeldet wurde, hatte den naturwissenschaftlichen Trakt an der Ascheröder Straße bereits gegen 14.30 Uhr vernichtet, die maroden Reste stürzten in sich zusammen. Mit einer Wasserwand versuchte die Feuerwehr, zu verhindern, dass die Flammen auf andere Gebäudeteile der Schule übergreifen. Über der Brandstelle lag ein beißender Geruch, eine riesige Rauchwolke stand über Treysa, die kilometerweit zu sehen war.

Teils musste sich die Feuerwehr wegen Explosionen im Inneren des Trakts von ihren Löschangriffen zurückziehen. Gebäudeteile des Pavillions flogen umher. Die Hitzeentwicklung war so gewaltig, dass teilweise Plastikflaschen in den Löschfahrzeugen schmolzen. Verletzt wurde dennoch offenbar niemand.

aktualisiert um 18.41 Uhr

100 Feuerwehrleute der Wehren Schwalmstadt und Neukirchen bekämpften das Feuer, 21 Fahrzeuge waren im Einsatz. Kräfte des DRK versorgten zwei Feuerwehrleute, die durch umherfliegende Fensterscherben Schnittverletzungen erlitten hatten. Eingesetzt wurden die Drehleitern aus Schwalmstadt und Neukirchen, die Drehleiter aus Homberg kam nicht zum Einsatz, aber ein Großtankwagen aus der Kreisstadt.

Auch die Kriminalpolizei traf an der Unfallstelle ein. Zudem sind Gutachter bestellt, die nächste Woche überprüfen, wie stark die Räume der anderen Gebäude nun mit Schadstoffen belastet sind. Auch die die politische Führung des Landkreises sowie der stellvertretende Schulleiter Siesenop, die Landtagsabgeordnete Regine Müller und Schwalmstadts Bürgermeister Wilhelm Kröll eilten zum Einsatzort.

Landrat Frank-Martin Neupärtl kündigte an, dass am Montag und Dienstag mit den Nachbarschulen Vereinbarungen getroffen werden sollen, damit die Schüler des Schwalmgymnasiums ab Mittwoch wieder in möglichst allen Fächern unterrichtet werden können. Im Gespräch sind dafür die Ostergrundschule (Treysa) und die Carl- Bantzer-Schule (Ziegenhain). Neupärtl unterstrich, dass ein Sachverständiger vor einer Wiederaufnahme des Unterrichts Messungen vornehmen wird. Der Unterricht beginne nur, wenn eine mögliche Schadstoffbelastung der Unterrichtsräume ausgeschlossen sei.

Vizeschulleiter Siesenop hofft, dass die Räume in den unversehrten Gebäudeteilen nach gründlicher Lüftung und Reinigung wieder nutzbar sind. Einen Direktor hat das Schwalmgymnasium gegenwärtig nicht, Dr. Helmut Bernsmeier wurde Ende Januar pensioniert.

Das Unterrichtsprovisorium wird Schüler und Lehrer viele Monate begleiten. Im Sommer 2012 soll der neue Naturwissenschaftstrakt fertiggestellt sein. Das Projekt war der Öffentlichkeit erst vor wenigen Wochen vorgestellt worden. Nach dem Bezug sollte das jetzt niedergebrannte Gebäude abgerissen werden.

Landrat Neupärtl und Schulfachbereichsleiterin Gabriele Baar betonten, dass ein sofortiger, adäquater Ersatz nicht möglich sei, zumal das Schwalmgymnasium mit seinen 1150 Schülern eine sehr große Schule sei. Notfalls, so Neupärtl, würden Container aufgestellt. Neupärtl und Müller betonte, dass es letztlich ein Glück war, dass das Feuer nicht an einem Schultag ausbracht, Schüler und Lehrer nicht in Gefahr gerieten. Neupärtl: "Der Sachschaden lässt sich ersetzen."

Es ist noch nicht bekannt, wann eine Abordnung des Landeskriminalamts eintrifft. Als wahrscheinlich gilt, dass der Brand in der Biologievorbereitung entstand. War von außen zunächst nur leichter Qualm erkennbar, zeigte sich den ersten Feuerwehrleuten am Einsatzort eine schlimme Lage: Dichter Qualm war im Inneren aufgestiegen und bildete eine Walze, so erste Berichte.

Laster zum Abtransport angefordert

Alles, was von dem Fachtrakt und dem Inventar der sechs Fachräume übrig ist, wird seit Samstagnachmittag auf Laster verladen und zum Munitionsdepot Schwalmstadt-Rörshain transportiert.

Brand im Schwalmgymnasium

Wie der Erste Kreisbeigeordneter Winfried Becker der HNA am Einsatzort mitteilte, wird die Fracht dort auf einer großen befestigten Fläche abgelagert. Die Laster wurden bei einem großen örtlichen Bauunternehmen angefordert, erwartet wird auch ein Bagger oder Radlader zum Aufladen.

Wie Schwalmstadts Stadtbrandinspektor Thomas Thiel mitteilte, trägt die Feuerwehr derzeit das Gebäude in Teilen ab. Bei Nachlöscharbeiten werde das stellenweise wieder auffachende Feuer unter Kontrolle gehalten. Die Nachlöscharbeiten würden mindestens noch bis Mitternacht dauern. Eine Brandwache werde eingerichtet. Die Ascheröder Straße ist für den Straßenverkehr gesperrt.

Durch die Hitzeentwicklung beim Feuer im naturwissenschaftlichen Trakt sind die Scheiben der angrenzenden Turnhalle und eines weiteren Anbaus geplatzt. So konnte Rauch in die Häuser eindringen. Auch musste die Feuerwehr Verschalungen und Teile der Dächer anderer Gebäude abgetragen, um ein Übergreifen der Flammen zu verhindern.

Wasserrohrbrüche

Die erhebliche Löschwasserentnahme führte zu Schäden am Schwalmstädter Leitungsnetz. Wassermeister Manfred Becker erklärte gegenüber der HNA, es habe Wasserrohrbrüche gegeben; derzeit stehe der Firma Merkel-Freudenberg etwa kein Frischwasser zur Verfügung. Becker erklärte die Schäden durch starke Druckunterschiede in den vier Treysaer Bezirken. Für die Löschwasserentnahme habe das Netz geöffnet werden müssen, so dass es zu erheblichen Druckschwankungen gekommen sei. Am Abend und in der Nacht könne es zu weiteren Rohrbrüchen kommen, meinte Becker.

Die Kriminalpolizei geht davon aus, dass das Feuer im vorderen, den anderen Schulgebäuden zugewandten Teil ausbrach. Sie ermittelte in alle Richtungen und konnte am späten Samstagnachmittag nur eine natürliche Ursache ausschließen. Es gibt noch keinerlei Angaben darüber, ob ein technischer Defekt oder Brandstiftung Auslöser gewesen sind.

Der Entschluss zum Abriss der Ruine wird die kriminalistischen Untersuchungen erschweren. Der vordere Gebäudeteil soll erst zum Schluss entfernt da die Ermittler dort am ehesten auf Spuren tippen. Vorläufig können sie die Ruine wegen aufzüngelnder Feuer und starkem Qualm noch nicht betreten.

Feuerwehrkräfte bleiben die ganze Nacht über vor Ort.

Zeuge gesucht

Die Polizei sucht den Unbekannten, der den Hausmeister der Schule über die Rauchentwicklung verständigt hatte. Der Hausmeister, der direkt neben dem Schwalmgymnasium wohnt, setzte gegen 13.35 Uhr den Notruf an die Polizei ab. Er gab gegenüber der Polizei an, das Gesicht des Erstmelders zu kennen, allerdings sei er ihm namentlich nicht bekannt.

Die Polizei erhofft sich von Hinweisen des Zeugen zum Beispiel Aufschlüsse darüber, wo genau der Brand seinen Anfang genommen hat. Der Unbekannte sollte sich bei der Polizeistation Ziegenhain melden, Tel. 06691-9430. (bal/abg/aqu)

Quelle: HNA

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