Nach Doku-Drama

Nach Doku-Drama: Gäfgen suchte Schutz in Gefängniszelle

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Ging am Montagabend vorzeitig in seinen Haftraum: Ob sich Magnus Gäfgen das Doku-Drama über seine furchtbare Tat anschaute, ist nicht klar. Unser Foto entstand vor zwei Jahren im Zusammenhang mit einem Tischtenniswettkampf in der JVA.

Schwalmstadt. In einer Abteilung des Ziegenhainer Gefängnisses herrschte in dieser Woche nach Informationen der HNA besondere Wachsamkeit. Der Grund: Das in dieser Woche ausgestrahlte ZDF-Doku-Drama „Der Fall Jakob von Metzler“ rückte erneut einen der spektakulärsten Fälle der Kriminalgeschichte in den Fokus.

Magnus Gäfgen wurde 2003 als Entführer und Mörder des elfjährigen Bankierssohns verurteilt. Gäfgen verbüßt seitdem seine lebenslange Freiheitsstrafe in der JVA Schwalmstadt.

Während sich am Montagabend vor Millionen Fernsehern außerhalb der Gefängnismauern von Minute zu Minute mehr Beklemmung breit machte, ließ sich Magnus Gäfgen schon vor der Sendezeit von JVA-Bediensteten vorzeitig in seine Zelle einschließen. Fest steht: Die bedrückende Authentizität des Films erlebten auch viele seiner Mithäftling. Ob der Kindsmörder selbst den Film geguckt hat, ist allerdings nicht bekannt.

Normales Gefängnisleben

Ungewöhnlich: Gäfgen führt ein „relativ normales Gefängnisleben“, nimmt am Anstaltsalltag teil, arbeitet, bildet sich weiter, treibt Sport. Übergriffen von Mitgefangenen soll Gäfgen nicht ausgesetzt sein. Normalerweise rangieren Kindsmörder und Kinderschänder ganz unten in der Gefangenenhierarchie, werden von ihren Mitgefangenen ausgegrenzt und leben in der Regel innerhalb der Anstalt isoliert, heißt es aus dem Umfeld der JVA.

Vollzugsexperten vermuten, dass der 37-Jährige, der während seiner Haft ein erfolgreiches Erstes juristisches Staatsexamen ablegte, seine Mithäftlinge juristisch berät. Insgesamt wird ihm eine „ruhige Art“ bescheinigt.

Gäfgen lebt in einer Abteilung mit 40 Häftlingen in einer Einzelzelle. Die ist eher karg eingerichtet. Bücher darf er nur in begrenzter Anzahl besitzen. Sein 2005 veröffentlichtes Buch „Gott - Der Weg zurück“ diente er der Anstaltsbibliothek an. Das wurde abgelehnt.

Von Sylke Grede

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Quelle: HNA

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