Wie weit ist mein Kind?

Pflichttermin: Einschul-Untersuchung dokumentiert Entwicklungsstand

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Untersuchung der Wahrnehmung: Beim Hörtest musste Tayler Betz Töne zuordnen. In wenigen Monaten wird der Sechsjährige aus Borken eingeschult.

Homberg. Tayler freut sich auf seinen ersten Schultag. Doch vorher hat der Sechsjährige aus Borken noch einen wichtigen Termin: seine Einschuluntersuchung beim Homberger Gesundheitsamt. Bis Juli werden dort 660 zukünftige Erstklässler aus dem Schwalm-Eder-Kreis vorgestellt.

Sehen, Hören, Sprachvermögen und feinmotorische Fähigkeiten: All diese Dinge werden bei den Untersuchungen beurteilt.

„Das ist aber keineswegs eine Prüfungssituation. Wir möchten uns lediglich ein Bild vom Entwicklungsstand der Kinder machen“, erklärt Dr. Ulrike Torunsky-Canaviri, Leiterin des Schulärztlichen Dienstes.

Denn für die schulische Laufbahn sei es wichtig, Förderbedarf frühzeitig zu erkennen. Vor allem im sprachlichen Bereich gebe es bei manchen Kindern Nachholbedarf. „Satzbau- und Ausdrucksfähigkeit sind erforderlich, um später dem Unterricht zu folgen, Aufgaben zu verstehen und sich selbst einzubringen“, sagt Torunsky-Canaviri. Deshalb appelliere sie an die Eltern, viel mit ihren Kindern zu sprechen und ihnen vorzulesen. Gegebenenfalls empfehle sie – wenn der Bedarf nicht bereits früher durch den Kinderarzt festgestellt wurde – eine logopädische Behandlung.

Die meisten Jungen und Mädchen, die zur Schuleingangsuntersuchung kommen, sind ein wenig aufgeregt. Und oft machen sie deshalb Fehler bei den Aufgaben. Doch das ist laut Dr. Ulrike Torunsky-Canaviri gar kein Problem: „Uns ist nicht wichtig, ob ein Kind alle Fragen richtig beantwortet.“ Vielmehr sei es entscheidend, ob es Hilfe annimmt, wie zugänglich es ist, und wie es in der Situation reagiert.

Eine Entscheidung, ob ein Kind eingeschult wird oder nicht, trifft die Expertin nicht. „Wir sind eine neutrale Stelle und haben lediglich eine beratende Funktion“, sagt sie. Das Ergebnis der Untersuchung sei deshalb als Empfehlung für Eltern und Lehrer zu verstehen – und die entscheiden letztendlich gemeinsam, ob das Kind bereit für den Schulalltag ist.Bei den Einschuluntersuchungen, wie sie derzeit beim Schulärztlichen Dienst in Homberg stattfinden, spielen vor allem schulrelevante Fähigkeiten eine Rolle. Auf die Aufgaben vorbereiten kann man sich laut Dr. Ulrike Torunsky-Canaviri, Leiterin des Schulärztlichen Dienstes, nicht. Von den Medizinern werden bei der Untersuchung überprüft:

• Körperliche Entwicklung: Größe und Gewicht werden bei der Untersuchung ebenso erfasst wie der körperliche Allgemeinzustand.

• Hören und Sehen: Die Kinder müssen einen Hör- und Sehtest absolvieren. Zudem wird das räumliche Sehvermögen kontrolliert.

• Feinmotorik und Konzentration: Um Schreiben zu lernen, sollten die Kinder einen Stift richtig halten können. Das wird zum Beispiel bei einer Mal-Aufgabe überprüft. Bei Suchbildern zeigen die Schulanfänger, wie gut sie sich konzentrieren können.

• Sprache: Mithilfe spielerischer Übungen – zum Beispiel die Beschreibung von Bildern – werden Ausdrucksvermögen und Wortschatz untersucht. Auch das erste Zahlen- und Mengenverständnis gehört dazu. Die Eltern werden zudem vor der Untersuchung im Gesundheitsamt gebeten, einen Fragebogen zu Entwicklung und Gesundheitszustand des Kindes (beispielsweise Vorerkrankungen, familiäre Vorbelastungen, Auffälligkeiten bei der Persönlichkeitsentwicklung) zu beantworten.

Von Pamela De Filippo

Quelle: HNA

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